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(GARTEN-)MÖHRE
Daucus -Umbelliferae


    VON DEN PASTENACHEN ODER ZAMEN MÖHREN

    Der zamen Pastenachen seyn drey Geschlecht/ das geel/ weiss und Purpurrot/ under denen die geele die aller gemeinste ist: Deren Wurtzeln seynd dick/ gross und lang wie die langen Rättich. Die Bletter seynd tieff zerkerfft und zinnlecht/ viel kleiner als der Körffel/ rauh unnd sattgrün von Farben. Jm andern Jahr stossen diese Rüben jhre Stengel zur Blumen/ die seynd ausswendig haarechtig und rauch/
  
Inwendig hol. Die Blumen wachsen auff schönen Dolden oder Cronen/ wie der Körffel oder Schirling/ die seynd weiss von Farben/ wiewol etliche auch bissweilen Leibfarb werden. Jn einer jeden Cronen oder Blumen findet man in der mitten/ ein besonders/ einziges/ knöpffiges Blümlein/ als ein Hirsen Körnlein/ das ist Purpurfarb/ so man dasselbige zertreibet/ wird es viel bräuner/ welches die einzige NOTA oder Merckzeichen ist/ darbey man die warhafftige Pasteney der alten/ vor der falschen/ die zu unsern Zeiten an deren statt fast unfüglich ist eyngeführt/ und fälschlich vor die rechte zame Pasteney bissher in der Artzeney ist gebraucht worden. Wann die Blümlein an der Pasteney abfallen und vergehen/ folget ein Samen der dem Aniss nicht fast an der Gestalt ungleich ist/ der ist aber haarechtig und rauch/ als wann er mit kleinen Stacheln uberzogen were. Diese Rüben werden auch wie die andern und zwey nachfolgende Geschlecht heutiges Tags fleissig ein grosser menig zur Speiss gezielet.
  
ll. Das ander Geschlecht/ ist dem jetztgemelten mit Blettern/ Wurtzeln/ Blumen und dem rechten Kennzeichen/ wie auch mit dem Samen durchauss gleich/ allein dass die Wurtzeln oder Ruben schön weiss seynd/ und die andern gar geel.
  
lll. Das dritt Geschlecht/ ist gleichfals der Pastenachen durchauss gleich/ allein dass die Wurtzel dicker/ grösser und lenger/ und von Farben gantz roth wird/ viel röter als die roten Mangolt Rüben. Es werden diese Rüben in dem Cöllnischen Ackermit den andern beyden Geschlechten hauffechtig zur Küchen gezielet/ welche nun bey uns in Obernteutschland sehr gemein worden seynd/ und gleichfalls in grosser menig gepflantzet werden/ also dass sie zur Küchen schier gemeiner worden seynd/ als die gemeinen Rüben. Diese Rüben müssen ein feystes/ tieff gegrabens/ wolgebawens und mürbes Erdreich haben/ darinn gerathen sie wol/ und werden dick und gross. Sie sollen aber im Christmonat/ oder im Jenner/ oder im Hornung/ oder aber im Mertzen gesäet werden/ wann sie wol gerathen sollen. Will man dass die Wurtzeln gross und dick werden/ muss man das Kraut offt abschneiden/ unnd nicht lassen wachsen lassen. Unsere Weiber wann sie diesen Samen säen wöllen/ reiben sie denselbigen wol mit einem wüllin Tuch/ dass die rauhe Stacheln dervon fallen/ dieser Meynung/ dass die Wurtzeln dieser Rüben desto glatter werden sollen.

Von den Namen der zamen Pasteneyen.
    Die zame Pasteney oder Pastenach wird Lateinisch STAPHYLINUS unnd PASTINACA DOMESTICA genannt, und seynd deren fürnemlich drey Geschlecht.
  
l. Das erste mit den geelen Wurtzeln oder Rüben/ wird von den Kreutlern genannt STAPHYLINUS LUTEUS, CAROTIS SEU CAROTA LUTEA, PASTINACA LUTEA, BAUCIA HORTENSIS, PASTINACA SATIVA DIOSCORIDIS, zu dem Underscheid der Hirtzpasteney/ die fälschlich bissher die statt PASTINACAE VERAE vertretten hat. Von ALEXANDRO BENEDICTO wird sie genannt PASTINACA CROCEA, von THEOPHRASTO und GALENO, DAUCUS. Und ist diese die recht PASTINACA SATIVA, und hindert nichts/ dass andere ein ander Gewächs entlehnet haben. Es wird auch diese Pasteney von den Kreutlern zu dem underscheid der falschen eingerissenen Pasteney/ die man Hirtzpasteney nennet/ PASTINACA TENUIFOLIA genannt. Hochteutsch/ Pastenach/ Pasteney/ Bestenaw und geel Pastenach/ geel Möhren und geel Rüben/ dieweil sie täglich wie die Rüben zu der Speiss gebraucht werden.
  
ll. Das ander Geschlecht wird von den Kreutlern und ALEXANDRO BENEDICTO PASTINACA ALBA, STAPHYLINUS ALBUS, CAROTIS ALBA und BAUCIA ALBA genannt. Hochteutsch/ weiss Pastenach/ weiss Möhren und weiss Rüblein.
lll. Das dritte Geschlecht wird von THEOPHRASTO LIB.9.HIST.DAUCUS NIGER, von THEODORO GAZA, PASTINACA NIGRA,von ALEXANDRO BENEDICTO PASTINACAPURPUREA, und von IACOBO MANLIO CARYOTA, von den Kreutlern/ PASTINACA GALLICA, CAROTA und CAROTIS genannt. Etliche nennen dieses auch CAROTAM RUBRAM, so doch CAROTA, CAROTIS oder CARYOTA eygentlich PASTINACA RUBRA ist. Hochteutsch/ rote Rüben/ rote Pasteney und Caroten.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Pastenachen oder Möhren.
    Alle drey Geschlecht der Möhren oder Pastenachen seynd warm in dem mittel dess zweyten Grads/ und feucht im mittel dess ersten Grads. Das Kraut aber/ die Blumen unnd der Samen seynd warm im dritten und trucken im andern Grad. Die Rüben oder Wurtzeln dieser Gewächs/ werden in der Küchen allein gebraucht. Das Kraut aber und der Samen haben jhren Gebrauch beyde jnnerlich und eusserlich in der Artzeney.

Jnnerlicher Gebrauch der Pastenachen.
    Es seynd die Wurtzeln der zamen Möhren/ und sonderlich aber die geelen und weissen/ unsern Küchen so gemein worden/ als jrrgend ein ander Gemüss jmmer seyn mag: dann man die täglich mit Hammel oder Rindfleisch pflegt zu sieden/ welche dem Fleisch unnd der Suppen oder Brühen/ einen guten Geschmack mittheilen/ sondern sie seynd auch fast dienstlich denen/ so das Hauptwehthumb haben von der geelen Gallen/ dessgleichen den Miltzsüchtigen/ und sind sonderlich dienstlich denen die verstopffungen der Nieren und Blasen haben/ fürdern den Harn/ seynd fast bequem in der Harnwinde und dem tröpfflingen harnen. Jtem den schwachen Mannspersonen die zu den ehelichen Wercken ungeschickt seynd/ dessgleichen den erkalten unfruchtbaren Weibern/ unnd machen den Seugammen viel Milch/ dienen wol den magern Leuten/ dann sie geben ziemliche gute Nahrung/ und machen feyst/ und den Leib zunemmen. Jn summa wie man die in der Speiss geniessen kan/ es seye in den Suppen oder Müssern/ so seynd sie denen dienlich/ die mit obgemelten Gebrechen beladen seynd/ und die ein Materi im harnen von sich geben wie Kleyen.
  
Etliche hölen diese Rüben auss/ nemmen gute Kalbfleisch und ein wenig Speck/ hackens klein/ unnd vermischen Eyerdotter darunter/ thun kleine Roseinlein unnd ziemlich Saltz darzu/ füllen die Rüben darmit/ darnach rösten sie die in Buttern biss sie braun werden/ darnach schütten sie ein gute Rinds- oder Ochsenfleischbrüh darüber/ lassens wol sieden/ so wird es eine gesunde wolschmeckende Speiss. Etliche bereyten Fültzel mit Zwibeln und Knoblauch/ aber die erste ist besser und gesünder. Andere bereyten das Fültzel mit guten Kreutern/ als Maieran/ Thymian/ Quendel unnd Rossmarin/ thun darzu gebrochene Pfefferkörner/ unnd ein wenig Muschatenblüth.
  
Geel Möhren in der Aschen weych gebraten/ und wann man zu Beth will gehen/ gessen/ das macht den Seugmüttern uberauss viel Milch. Etliche die dess vermögens seynd/ die bestrewen sie mit Zucker/ die vollbringen also jhre Wirckung desto kräfftiger/ und wird auch die Milch desto gesünder.
  
Die rote Pastenach/ wiewol sie auch jhren Gebrauch in der Küchen hat/ so wird sie doch selten mit dem Fleisch gekocht/ wie die geel und weisse. Darauss macht man Winterszeit gute Salat/ wann man andere Salatkreuter nicht haben kan/ so seudet man dieselben/ biss sie weych werden/ darnach macht man das Oberhäutlein darvon/ zerschneid sie scheubelechtig/ wie man die Rättich zu schneiden pflegt/ geuss Essig und Baumölen darüber unnd Saltz/ so viel genug ist/ so gibs einen herrlichen Salat.
  
Andere machen sie mit Essig eyn auff folgende Weiss: Sie nemmen die rote Möhren in ein saubern Hafen/ den verdecken sie/ und stellen den in einen Backofen/ wann man die Brod backen wil/ lassen den darinn stehen/ biss das Brodt gebacken ist/ thun sie die Wurtzeln herauss/ schaben das Häutlein darvon/ schneiden darnach dieselben scheubelechtig/ nemmen darzu ein gut theil Meerrättichwurtzeln/ klein würffelechtig zerschnitten/ Coriandersamen gleich so viel als dess Meerrättichs ist/ Anissamen der gesäubert ist/ Fischkümmel/ deren jedes halb so viel/ thun darnach die geschnittene rote Rüben in ein steinern Hafen/ zedeln den Meerrättich mit den obgemelten Samen durch einander vermischt/ darzwischen/ wann der Hafen gefüllet/ schütten sie einen guten Weinessig darüber/ unnd beschwerens dass der Essig darüber gange/ so wird ein herrlicher Composs darauss/ den man uber Jahr behalten kan/ den gibt man zum Fleisch unnd Gebratens. Andere sieden die gescheelten roten Rüben in halb Wein und Essig biss sie weych werden/ darnach schneiden sie dieselbig wie gemeltet/ machens auch gleicher gestalt mit dem Meerrättich unnd den obgemelten Samen eyn/ schütten darnach die Brühe/ darinn die Wurtzeln gesotten seynd/ darüber/ unnd so deren nicht genug ist/ so erstatten sie deren mangel/ mit Essig/ und behaltens zu obgemeltem Gebrauch.
  
An etlichen Orten pfleget man in der Fasten oder in andern Fasttägen/ die roten Pastenachenwurtzeln zu langen Stücklein eines kleinen Fingers dick und lang zu zerschneiden/ tuncket die in ein dünnes Teyglein mit Weissmeel/ Eyern/ und ein wenig Saltzs gemacht/ bäcket die darnach in Buttern oder Schmaltz/ darnach machet man ein Pfefferlein darüber/ wie man uber die gebackenen Fisch zu machen pfleget/ unnd jsset das an statt der Fisch/ sonderlich an denen Orten/ da die Fisch nicht wol zu bekommen seynd. Solch Essen pflegen auch etliche von den geelen und weissen Pastenachen zu machen.
    Etliche backen die roten/ weissen und gelben Pastenachen in Stücklein kleinen Fingers gross geschnitten/ ohn allen Zusatz in Schmaltz/ biss sie braunlecht werden/ darnach setzen sie dieselben zum Fewer/ mit einer guten Ochsen- oder Rindfleischbrühen/ lassens wol sieden/ biss sie widerumb weych werden/ reiben ein klein wenig Brosam von weiss Brod darein/ oder schweissen ein Geröst Meel mit Buttern darein/ dz es ein dickes brühlein gebe/ ist ein sehr gut Speiss.
  
Die eusserste Rinde von den zamen Pastenachen gedörrt/ zu einem subtilen Pulver gestossen/ und i.quintlein schwer mit einem Trüncklein guten weissen Wein zertrieben/ reiniget die Nieren und Blasen von allem Unrath/ unnd treibet auss den Lendenstein.
  
Zam Möhrensamen zu einem subtilen Pulver gestossen/ und mit gutem weissem Wein i.quintlein auff einmal getruncken/ hilfft den erkalten Mannen wider auff den Gaul/ und mehret den Mannlichen Samen. Das thun auch die Wurtzeln in der Speiss genossen/ und machen gut Geblüt.
  
Das Kraut von den zamen Pastenachen/ ist auch ein sehr heylsames Wundkraut/ jnnerlich unnd eusserlich gebrauchet/ darvon soll man ein Wundtranck bereyten/ der dienet zu allen gehawenen und gestochenen Wunden: Nimb das Kraut von den geelen Pastenachen zwo Handvoll/ Heydnisch Wundkraut/ Sanickel/ jedes i. Handvoll/ Haselwurtzkraut/ Wasserpfeffer/ jedes eine halbe Handvoll/ Walwurtzel/ Mumia/ jedes ein halb loth/ weisen Zucker v. oder vi.loth. diese Stück sol man klein zerschnitten in in eingeschraubte Fläschen thun/ und darüber schütten eine Mass weissen wein/ je nach gelegenheit dess Krancken unnd der Zufäll/ unnd vier Stunden lang in ein Kessel mit siedendem Wasser gesetzt/ sieden lassen/ darnach selbst also lassen erkalten/ die Fläsch darnach auffschrauben/ unnd den Tranck durchseihen. Darvon soll man dem Verwundten allen Morgen nüchtern/ dessgleichen auch dess Abendts/ jedes mal ei par Stunden vor den Jmbsen vier oder fünff loth warm zu trincken geben/ dieser Tranck hat Krafft/ vom Grundt herauss zu heylen.
  
Der zamen/ geelen/ roten oder weissen Möhrensamen zu einem subtilen Pulver gestossen/ unnd i.quintlein oder anderhalbes mit Wein zertrieben und getruncken/ vertreibt den Klux/ miltert das Leibwehe/ treibt auss Sandt unnd Griess/ und fürdert die Monatblumen der Weiber.

Eusserlicher Gebrauch dess Pastenachs.
    Der aussgepreste Safft von den Pastenachen in dem Mundt warm gehaslten/ die Biller und Zähn wohl darmit gerieben/ miltert das Zahnwehe.
  
Vor das Zipperlein oder Podagram/ mach nachvolgendes Pflaster von den geelen Pastenachen: Nimb xii. kleiner Pastenach Wurtzeln die schneidt klein unnd stoss sie zu Muss/ unnd xii. Cypressennüss zu einem subtilen Pulver gestossen/ siede diese mit einander in x. untz Wassers zu einem Brey/ thue darzu xii. untz Baumölen/ alt Schweinen Schmaltz und geel Wachs/ jedes sechs Untz/ lass sittiglich zergehen/ darnach so rührs biss es anfehet ein wenig dicklechtig zu werden/ so streuwe darein vi.loth oder drey Untz rein gestossenen Weyrauch/ rührs wohl durch einander biss es gar kalt wirdt/ so vermischt es sich fein durch einander/ darnach streich auff ein Tuch/ unnd legs uber das schmertzhaftig Orth/ es seye gleich an Füssen/ Henden oder andern Orten.
  
Pastenachenkraut/ es sey gleich von geelen/ weissen oder den roten/ in Wasser oder Wein gesoten/ darnach durchgesigen/ das ist ein heylsames Wundtwasser/ reiniget die Wunden und Schäden/ unnd fürert die zur heylung/ dieselbigen offtemals warm damit gewäschen.
  
Das grün kraut der geelen Rüben gestossen/ unnd pflastersweiss ubergelegt/ das säubert unnd heylet die alten Geschwer und Schäden.
  
Das gemeldte Kraut gleicher gestalt wie ein Pflaster ubergelegt/ hilfft den verletzten Beynen und den geschädigten Kröspelen.
    Das geel Rübenkraut in genugsamen Wasser wohl gesotten/ hilfft sehr wohl den erfrornen Gliedern/ so man sie anfänglich offtermals darinn badet.

Eingemachte rote Möhren.
PASTINACA RUBRA CONDITA.

    Man pfleget die roten Möhren also einzumachen/ man seudet dieselben/ darnach wann sie von der obern Rinden gesäubert seindtschneidet man die zu Stücklein eines kleinen Fingers lang/ darnach lesset man sie noch ein wenig sieden/ mit einem dünnen wol verscheumbten Honig/ biss zu einer rechten dicke/ folgends wirfft man gantzen bereyten Coriander darzu/ unnd behaltet sie in kleinen Fässlein zum täglichen Gebrauch. Diese Rüben also eingemacht/ jsset man nicht allein zum Gebratens/ sondern stellet sie auch zum Bancketen unnd Schlafftrunck auff. Sonst mässig vor ein Artzeney gebraucht/ und jederweilen dess Abends darvon gessen/ seynd sie fast dienlich den erkalteten und zun ehelichen wercken ungeschickten Mannen: Sie erweichen den Bauch/ dienen wider den Husten/ machen weit umb die Brust/ und bringen Lust zur Speiss.
  
Etliche sieden diese Wurtzeln in Milch/ darnach machen sie dieselbige mit Honig eyn/ zu den obgemelten Gebrechen.
  
Es ist aber besser die unvermöglichkeit zu den ehelichen wercken wider zu recht zu bringen/ dass man klein geschnittenen Jngber und Näglein/ dessgleichen auch groblecht zerstossenen Pfeffer/ im einmachen der gemelten Wurtzel mit vermischt/ so würde es zu den gemelten Gebrechen ein berühmbte Artzeney.
  
Die Arabischen Aertzt nennen die Pastenachen auff solche weiss eingemacht/ Algingibel, auf jhre Sprach.

Pastenachenwein.
STAPHYLINITES

    Der Pastenachenwein/ wird zu unserer Zeit/ darinnen doch die Kreuter Wein mehr im Brauch/ dann sie je zu einer andern Zeit vor uns gewesen seynd/ nicht bereytet/ sintemal aber er von MARCELL EMPYRICO, und GUILIELMO VARIGNANA, höchlich gelobt wird/ hab ich nicht wöllen underlassen/ auch desselben zu gedencken/ der wird aber von dem Samen der geelen oder der weissen Pastenach gemacht/ wie der Pfefferkümmelwein/ da einer/ der Lust denselben zu bereyten hette/ die Beschreibung finden wird. Etliche aber loben diesen Wein/ so er von dem Samen mit seinem Dolden oder Cronen gemacht wird/ ehe der Samen abfellt/ und machen den in ein Fässlein mit Hanbüchen Spähnen eyn/ wie wir den Wermuthwein oder andere Kreuterwein bereyten/ damit ich den weitberühmten PHILOSOPHUM GUILIELMUM TURNERUM viel hab sehen aussrichten, GUILIELMUS VARIGNANA aber machet seinen Pastenachenwein auss den wurtzeln dess wilden Pastenachs/ als die viel kräfftiger seynd als die zamen/ gemacht wurde.
Der Pastenachenwein ist ein sondrlicher guter Tranck/ den kalten blöden Magen zu stärcken/ und den Appetit zur Speiss zu fürdern. Er ist trefentlich gut und heylsam den Lebersüchtigen/ unnd dienet wie die Auffblähung dess gantzen Leibs/ zertheilt die verschlossenen Winde/ und führet sie auss/ treibet den Harn und Nierenstein/ unnd fürdert den Weibern die Monatblumen.
  
Etliche machen einen herrlichen und guten roten Wein von den rothen Pastenachenwurtzeln/ zerschneiden die Wurtzeln/ werffens darnach in ein guten Most/ unnd lassen den darüber verjähren/ so wird der Wein schön roth/ wie ein natürlicher rother Wein/ und ist aber viel gesunder zu trincken/ als der von Natur rot ist.