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LILIE
Lilium auratum


VON GILGEN

    Der Lilien seyn dreyerley Geschlecht/ mit jren Farben underschieden/ das erste seyn die weissen Lilien/ haben eine zwiebelechte Wurtzel/ auss vielen Schelffen zusammen gesetzt/ [ein jede Schelffe aber ist anzusehen als ein feist/ dick unnd zähes Hausswurtzblat/] auss welcher ein glatter/ runder/ feister Stengel wächst/ zweyer Ehlen hoch/ an welchem die schöne/ weisse/ feiste und wolriechende Blumen erscheinen/ von unden an eng/ oben aber weit/ mit sechs Blettern zusammengesetzt/ [ausswendig mit Holkelen gefalten/ das eusserste theil oben an den Blettern ist zu rings herumb hindersich gebogen/] jederman wol bekannt: Jnnwendig stehen gelbe Pützlein/ auff zarten Stielen. [Diese Pützlein geben einen andern Geruch/ dann die Blum/ unnd zerstieben leichtlich/] die Blätter seyn lang/ feist unnd glatt/ [welche im Jahr zwey mal wachsen/ erstlich im Anfang dess Lentzen/ darnach im Herbst/ wann die Blumen mit jhren stengeln vergangen sind.]
    Das ander Geschlecht ist diesen fast gleich/ allein dz es mehr und schmälere Bletter hat/ [unnd von Farben schwartzgrün/] und ein goltgelbe Blumme trägt.
    Das dritte Geschlecht hat ein Wurtzel den ersten gantz gleich/ auss welcher ein dicker Stengel wächst/ daran ein blutrohte Blume mit sechs breyten Blettern erscheinet/ an dem Stengel wachsen wenig Bletter/ so fast breyt seyn/ anzusehen wie die Wegrichsbletter.
    Sie wachsen gern an wolgedünckten Orten und Erdtreich/ wöllen auch kühle unnd Schattechte Stelle haben/ blühen im Junio.
    [Dann wo stäts Sonne ist/ da gerahten die Blumen der weissen selten/ und fallen die Stengel von der ersten gegen dem Meyen gern ab/ ohne Gilgen.
    Purpurbraune Lilien machen etliche also: Jm Heuwmonat nehmen sie die zwiebelechte Wurtzeln/ hencken sie in Rauchfang/ biss sie wol dörren/ darnach im Merzen machens widerumb rein/ legens in rohten Weinhefen/ lassens so lang darinnen biss sie sich ferben/ endtlich setzen sie/ unnd geussen die Weinhefen darzu. FLORENTINUS schreibet/ dass wo man Zinober oder ein andere Farb zwischen die schuppechten Blettlein der Zwiebeln eingeusst/ roth Lilien darauff wachsen sollen/ doch sollen die Wurtzel nicht verletzet werden. Etliche schreiben dass Lilien wachsen/ wenn man die Stengel klein zerschneide unnd setze.
    Andere aber/ wenn man den grünen Stengel fleissig einleget/ so bekomme er an einem jeden Gleych ein Zwiebelein/ so besonder gesetzt/ bringt in kurtzer Zeit Blumen.]

Von den Namen
    Lilien oder Gilgen heist Lateinisch LILIUM.

Von der Natur/ Krafft/ und Eygenschafft der weissen Lilien
    MATTHIOLUS und FUCHSIUS schreiben/ die Lilienblumen haben ein vermischte Natur/[zimlicher Wärm unnd Feuchte.] Jhre Substantz sey zum Theil zart und subtiel/ zum Theil auch grob und jrrdisch/ unnd zum Theil wässerig. Die Bletter unnd Wurtzeln haben ein Art zu säubern/ doch die Wurtzeln mehr dann die Bletter/ seyndt trucken im ersten Gradt.
    Werden nicht jnnerlich gebraucht/ oder gar langsam/ [ also das Kraut unnd Wurtzel wol zerstossen/ trucknen/ lösen/ erweichen und zertheilen mässiglichen.

Jnnerlicher Gebrauch
    Die Wurtzel unnd Bletter in Wein gesotten unnd getruncken/ bringt den Weibern jhre Reinigung.
    Die Wurtzel mit Wein gesotten/ und weisse Niesswurtz einer Erbsen gross darunder gemischet/ unnd dess Weins Abendts so man zu Beth gehen wil getruncken/ treibet durch den Stulgang.
    Wider die Gelbsucht/ nimb Stabwurtz zwo Handtvoll/ der gelben Putzen auss den weissen Lilien ein halbe Handtvoll/ geuss drey Pfundt weissen Wein darüber/ seud das dritte Theil ein/ darvon gib sechs Tag nacheinander alle mahl früh einen warmen Trunck.
    Der Samen oder das gelbe Würmlein in der Blumen in Wein getruncken/ hilfft wider der Schlangen Biss.
    Mit andern bequemen Mitteln gekocht zum Gurgelwasser/ heylet alle Blattern/ unnd Versehrung dess Mundts unnd der Keelen.]

Eusserlicher Gebrauch der Lilien
    FERNELIUS schreibet LIB.6.METH.MED.CAP.4. wenn man die Wurtzel brate/ mit Rosenöl vermischt und uberlege/ heyle sie den Brandt [vom Fewer:] Unnd wenn man die Wurtzel in Wein siede/ drey Tage nach einander aufflege oder darüber liegen lasse/ so vertreibe sie die Leichtdörner oder Hüneraugen.
    DIOSCORIDES sagt/ wenn man die Wurtzel mit Honig vermische/ heyle sie die verzuckte und durchgeschnittene Nerven.
    Dessgleichen vertreibe sie die Zittermähler/ die Räuden und Schuppen auff dem Haupt/ säubere auch die fliessende Geschwär dess Haupts.
    [Wider die Geschwär an Händen das Mittel genannt/ oder Geschwulst unnd Hitz der Gemächt/ nimb der Wurtzeln/ zerstoss mit Bilsenkraut und Gersten oder Weitzenmehl unnd ein wenig Essig/ legs uber wie ein Pflaster/ das nimpt die Hitz/ stillet den Schmertzen/ und erweicht die harte Geschwulst gar sänfftiglich.]
    Es wirdt auch diese Wurtzel fleissig gebrauchet wieder alle harte Geschwülst und Geschwär/ dieselbige zu erweichen/ unnd zeitig zu machen/ wennman die Wurtzel mit Leinsamen unnd Foenugrec in Milch oder Laugen seudet/ auch etwas Hüner oder Gänssschmaltz darzu thut/ solches wie einen Brey kochet/ auff ein Tuch geschmiert und ubergelegt.
    [Die Zwiebel in heisser Aeschen wol gebraten/ nachmals zu Muss zerstossen und mit Rosenöl vermischt/ erweicht die Verhartung der Geburtglieder/ unnd treibet den Weibern jhre Reinigung.
    Etliche sieden die Wurtzel allein in Geissmilch unnd brauchens zu den harten geschwollenen Brüsten/ zu Eyssen unnd Schlieren.
    Wider das erharte unnd schmertzhaffte Miltz/ nimb weisse Gilgenwurtzel/ Beerklawenwurtzeln/ Jbischwurtzeln jedes ein Viertheil eines Pfundts/ wol zerknitscht und hernach gesotten in vier Mass Wein unnd einem halben Pfundt Oel/ biss es dick wirdt/ durchgeschlagen/ unnd ein wenig Wachs darzu gethan/ diese Salb uber die Seiten und Miltz gelegt.
    Die Bletter/ wenn sie grün sindt/ zerstossen/ mit Wein besprengt/ und Pflastersweiss auffgelegt/ löschen sie S.Anthonienfewer/ die schwartzen Blattern/ und heylen Schlangen unnd Scorpionen Biss. Solches thut auch die Wurtzel/ zerstossen und auffgelegt.]

Von dem Safft der Lilien

    Liliensafft auss den Blettern dess Krauts geprest/ mit Essig und Honig in einem küpffernen Kessel oder Pfann gesotten/ gibt ein gute Salb wieder die alte Geschwär/ auch zu den frischen Wunden/ wie solches DIOSCORIDES unnd GALENUS bezeugen.
    FERNELIUS schreibet/ wie auch PLINIUS, der Safft werde gar nützlich gebraucht zu der erharten Mutter/ dieselbige widerumb zu erweichen/ und die verstandene Zeiten fort zu treiben.

Von dem Lilienwasser

    Etliche Leuth brennen oder distillieren auch Wasser auss den Lilien/ [auss den Blettlein der Blumen abgenommen wenn sie noch frisch unnd unverwelcket seyn/ allein/ oder sampt den Wurtzeln alles klein zerhackt/] und geben dasselbige den jenigen/ welchen die Spraach erlegen ist/ [oder sonst unmächtig sind worden/ jederweilen auff zween oder drey Löffel voll/ stärcket das erkalte Haupt/ stillet die kalte Flüss.]
    Diss Wasser getruncken/ benimmet die Schmertzen der jnnerlichen Glieder/ und kühlet die entzündete Leber und die Mutter. Es soll auch diss wasser die Geburt fort treiben/ [ohne Schaden/ und miltert den Schmertzen/ treibet auch den Weibern jhre Reinigung.
    Die Haut offt darmit gewaschen/ unnd leinen Tüchlein darinnen genetzt/ benimmet die gelbe Flecken unnd Masen/ auch schwärtze der Sonnen/ sonderlich nach dem Bath darmit gewaschen/ reiniget das Angesicht von allen Hitzbletterlein.
    Jst heylsam mit Tüchlein in die Sehrigkeit dess heimlichen Orts geleget/ ist auch nützlich in allen hitzigen geschwollenen Wunden/ sonderlich in Verletzung dess weissen Geäders/ es zeucht auch die Hitz herauss/ so man sich mit siedendem Wasser/ zOel/ Feiste und dergleichen verbrännt hette/ und macht solchen Schaden schnell zu heylen/ und leget den hefftigen Schmertzen baldt.]

 Von dem Lilienöl

    Dieses Oel wirdt von seinen Blumen und altem Baumöl gemacht/ wie das Chamillenöl oder Nägleinblumenöl/ [auff folgende Weiss: Nimme gut frisch Baumöl ein Pfundt/ weiss Lilienbletter acht loth/ thus zusammen in ein gläserin Geschirr/ vermache es wol unnd hencks an die Sonn: So mans kräfftiger haben will/ so muss man je uber zwantzig Tag frische Lilienbletter in das Oel thun/ und die alte hinweg thun/ und diss ist das gemeine und kleine weiss Gilgenöl.]
    Von diesem Oel schreibet GALENUS, dass es ein Art habe zu erweichen und zu zertheilen/ werde gar nützlich unnd fruchtbarlich gebraucht zu der erharten Mutter.
    DIOSCORIDES schreibet/ es sey gut die erharte Nerven oder Sennadern zu erweichen. Es lindert auch gar wol die Schmertzen der Glieder/ macht die Geschär baldt zeitig/ unnd milteret die Schwülsten/ sonderlich so man ein wenig Saffran darzu thut.
    Es dienet auch diss Oel gar wol wieder den Krampff/ es erwärmet die kalte Glieder und Sennadern
    Die Hebammen sollen weiss Lilienöl zur Notturfft haben unnd brauchen/ es ist auch gut zu den Nachwehen derKindbetterin/ gewärmet/ Hänffingerwerck darinn genetzt/ auff den undern Bauch/ oder hinden auff das Schloss gelegt.
    Die Lilienbletter so in dem Oel zu Boden sindt gefallen/ sindt trefflich gut zu den hitzigen Apostemen/ trucken die Geschwulst nieder/ mit Hinlegung dess Schmertzen.]
    Es soll auch dieses Oel fleissig in den Clistieren gebrauchet werden. [Das Oel heylet und löscht allerhandt hitzige Schmertzen/ unnd Brandt vom Fewer/ oder die Pestillentzblattern darmit gesalbet/ stillt das Leibwehe/ das langwirig Lenden und Ruckenwehe/ wärmet die Nieren und Blasen.
    Zu erweychung dess harten Stulgangs und Linderung dess Bauchgrimmen.
    Das andere und grösser Lilienöl/ so viel hitziger und kräfftiger wirdt auss mehr Stücken bereitet/ also: Nimb Lilienbletter vier loth/ schönen Mastix/ Calmus und Costuswurtzel/ (etliche nemmen an statt dieses die Pestilentzwurtzel/) jedes ein loth/ Saffran drey Quintlein/ Zimmet/ Näglein/ jedes ein Quintlein: diese Stück wol zerstossen/sollen 24.Stundt lang in Wasser beheb vermacht erbeytzen/ hernach lassen ein Schwall oder zween auffsieden/ zwey Pfund frisch Baumöl darzu thun/ frische LIlienbletter darinn legen/ und wol verstopfft mit einander an die Sonne hencken/ 40.Tag lassen erbeitzen/ dem nach mit einander zu Verzehrung der Wässerigkeit sieden/ durchseyhen und zur Notturfft behalten.]