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LERCHENSPORN
2.Geschlecht = Moschuskraut
Corydalis - Papaveraceae


VON DER HOLTZWURTZEL UND JHREN GESCHLECHTEN
die man FUMARIAS BULBOSAS nennet


    Die Holtzwurtz ist ein sehr gemein Kraut bey uns/ deren Geschlecht eylff gefunden werden/ die seynd dem Taubenkropff zum theil verwand/ derowegen wir sie demselben gleich nachsetzen und beschreiben wöllen.
    Das gemeine Geschlecht der Holtzwurtzel hat eine runde Wurtzel/ wie die Erdscheiben/ deren seynd zweyerley Arten/ dann die ein ist inwendig gar hol/ als wann sie aussgehülcht were/ und die ander gar nicht/ haben ziemlich viel kleiner Nebenwürtzlein oder Zaseln/ seynd ausswendig grauw/ inwendig dunckelgelb/ eines bittern Geschmacks. So bald im Hornung der Schnee abgangen/ und das Eyss zerschmoltzen ist/ so stossen beyde Geschlecht jhre Spargen oder Dolden herfür/ im Mertzen folgen hernach die runden glatten Stengel/ die werden einer Spannenlang/ mit zerkerfften Schweitzergrünen Blettern/ breiter als dess Taubenkropffs besetzt/ die vergleichen sich fast den Blettern der Ackeley oder Schellwurtz. Am Gipffel kommen bald hernach die schönen purpurbraunen getrungenen Blumen/ an jedem Stengel eine/ die vergleichen sich den Blumen am Bynsaug oder Taubenkropff/ die seynd im Anfang dess Apprillens in voller Blüth: Nach der Blüth folgen kleine Schötlein/ wie die Schötlein am Entzian/ darinnen ist ein schwartzer/ glatter und glantzender Samen verschlossen/ an einem jedem Sämlein hanget ein weiss Würmlein/ darmit es an die Schötlein angehefftet ist. Jm Meyen wird der Samen zeitig und fellt auss/ und verwelcken die Bletter so bald es Donnert/ dann dieses Gewächs den Donner nicht leiden kann/ unnd verlieren sich mit jhren Stengeln. Die Wurtzeln bleiben also den Sommer und Winter uber/ biss widerumb der Frühling kompt/ in der Erden verborgen. Und findet man dieser Kreuter vier Geschlecht/ die seynd nur mit den Blettern underscheiden/ dass an einem die Bletter breiter unnd grösser/ und an dem andern schmäler und tieffer zerschnitten seynd/ sonst seynd sie mit den Blumen einander gleich/ die seynd schön Purpurbraun/ oder Presilgenbraun/ und werden diese vier Geschlecht für die Männlein von den Kreutlern gehalten.
    Under den gemeldten vier Geschlechten hat ein jedes auch sein Weiblein/ da ein jedes seinem Männlein mit Blettern unnd Wurtzeln gleich ist/ allein dass die Blumen nicht Purpur- oder Presilgenbraun seynd/ wie am Männlein/ sondern Schneeweiss/ dardurch sie dann von den Kreutlern underscheiden werden/ unnd seynd also diese die acht Geschlecht dieses Gewächs. Alle diese Kreuter wachsen gern an kühlen Orthen/ in starcken Erdreich/ hinder den Zäunen/ in den Hecken/ in Weingärten/ in Zwingern. Jtem neben den Wegstrassen/ und etlichen Gebirg unnd dunckelen Wälden. Unnd ist wol zu mercken/ dass dieses Kraut mit der gantzen Wurtzel nicht gefunden wird/ da das mit der aussgehülchten Wurtzeln wächst/ doch werden sie beyde an obgemeldten Orthen gefunden/ doch ein jedes besonder/ als wann diese beyde Gewächs von Natur/ einen besondern Hass zusammen trügen.
    lX. Das neundte Geschlecht dieses Gewächs hat ein runde gantze Wurtzel/ die ist kleiner als der vorigen/ unden mit vielen Zaseln. Die Bletter seyndt dem jetztgemeldten gleich/ oben am stengel wie die gemeine Holwurtz die getrungenen Blümlein zu haben pflegt/ hat dieses Geschlecht kleine zerkerffte blätlein/ gerings umb den gipffel von vier oder fünff Reihen/ darzwischen sind die Blümlein verborgwen/ an der farb grünfärbig.
    X. Das zehende Geschlecht klein Holwurtz genannt/ ist viel kleiner als andere obgemeldte Geschlecht/ dann die stengel seyndt nicht uber halb Spannen lang/ zu dem seyndt Bletter unnd Blumen auch kleiner/ doch an der Gestalt dem andern nicht ungleich/ die Wurtzel ist rundt/ satt unnd einer ziemlichen Haselnuss gross/ hat unden viel kleiner Zäselein. Dieses Kreutlein wächst an den Rechen der Felder unnd Aecker/ kommet zeitlich im Aprillen herfür/ mit den andern Geschlechten.
    Xl. Das eylffte und allerkleineste Geschlecht der Holwurtzel/ hat ein kleines weisses Würtzlein eines Gleychs lang/ hat viel kleiner Körnlein oder Zehen an einander hangen/ darvon es sich erjüngt: Die Würtzlein seyndt am Geschmack rauhe unnd süss wie der Castanien. Die Stenglein seynd dünn unnd zart/ Schweitzergrün/ nicht viel uber Fingers lang/ den Blettern der Holwurtz so ähnlich/ dass sie nicht darvon zu underscheiden seyndt/ doch seyndt sie kleiner/ zarter und bleycher/ die haben einen lieblichen Geruch schier wie Bisem. Jm ende dess Mertzens und anfang dess Aprillens gewint es ein rundes/ kleines/ grünfärbig und eckechtiges Blümlein. Es wächst gern an den Reynen und Rechen under der Holwurtz an dunckeln orten.
    Bey Hesenpietlingen hab ichs in einem Wald uberflüssig gefunden/ dessgleichen auch in Hochburgund in einem Wald/ zwischen Jschurtilles und Burbon. Man findet sein auch genugsam hinder dem Berghaus Sanct Paul bey Cronweissenburg/ und ist wenigen bekannt.

Von dem Namen der Holwurtz
    Es haben unser ungeschickte und vermeinte Artzt die Holwurtzel vor die recht ARISTOLOCHIAM ROTUNDAM, oder runde Osterlutzey in die Apotecken fälschlich eingeführet/ welcher jrrthumb/ wiewol er nunmehr von vielen angezeigt/ wird er doch noch heutiges Tags in vielen Apotecken erhalten/ und wird die Holwurtz darvor gebraucht/ so doch diese Wurtzel gantz und gar kein gemeinschafft oder einige Gleichnus mit den Osterluceyen hat. Es ist aber dieses Kraut/ wie auch alle dessen Geschlecht/ ein Geschlecht dess Erdrauchs/ welches/ ETIUS und PLINIUS beschreiben. Lateinisch wird es genant CAPNUS CHELIDONIA, CAPNIUM CHELIDONIUM, CAPNIUM PHRAGMITES, CAPNUS SEPIARIA, bey dem ALEXANDRO BENEDICTO PES GALLINACEUS und bey PLINIO PEDES GALLINACEI, bey den HERBARIIS FUMARIA BULBOSA, FUMARIA TUBEROSA, ARISTOLOCHIA CONCAVA, ARISTOLOCHIA ADULTERINA, RADIX CAVA, und TONITRUIFAGA, dieweil das Kraut verwelckt und sich verleurt/ so bald es donnert. Hochteutsch/ Holwurtz/ Hanensporn und Donnerflug. Mit gemelten Namen werden die ersten acht Geschlecht verstanden/ unnd wird von den Kreutlern das mit den braunen Blumen vor das Männlein/ und das mit den weissen Blumen/ vor das Weiblein gehalten.
    lX. Das neund Geschlecht heisset CAPNOS CHELIDONIA VIRIDIS oder FUMARIA BULBOSA VIRIDIS. Hochteutsch/ grün Holwurtz und grüner Hanensporn.
    X. Das zehend heisset bey den Kreutlern/ FUMARIA BULBOSA SEU RUBEROSA MINOR. Hochteutsch/ klein Holwurtz/ und kleiner Hanensporn.
    Xl. Das xi. heisset FUMARIA BULBOSA SEU TUBEROSA MINIMA bey den MEDICIS und Kreutlern/ und bey etlichen MOSCHATELLA und MUSCHATELLA, zu Hochteutsch/ Bissemkraut. Etliche wöllen es sey das HERBA MUSCHATA, das in das VINGUENTUM MARTIARUM gehet/ aber sie jrren/ und halt ichs mit denen/ die das LUAM MUSCHATAM vor dz HERBAM MUSCHATAM NICOLAI halten/ dann die Kräfften/ darzu die Salb Martiaton gebraucht wird/ stimmen auch mit dem Namen.

Von der Krafft und Eygenschafft der Holwurtz
    Alle Holwurtz seyn warm im zweyten Grad und trucken im dritten/ und abstergiren mit einer zusammenziehung unnd werden beyde das Kraut unnd die wurtzeln nützlich innerlich und eusserlich in der Artzeney gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch der Holwurtz
    Es ist unser Holwurtz ein edel gut Leberkraut die schwache Leber zu stercken/ unnd deren Verstopffung zu eröffnen/ Kraut/ Blumen unnd Wurtzeln gebraucht/ es sey in Speiss oder Tranck.
    Die Wurtzel gepülvert und eines Gülden schwer/ biss in die anderthalb quintlein eingenommen/ etwann mit einer Brühen/ erweychet den Bauch/ und führt auss den zähen Schleim. Mit Wein getruncken/ und sich nidergelegt unnd warm zugedeckt/ fürdert den Schweiss gewaltiglich: Dient also genutzt wider alles Gifft/ wider der gifftigen Thier Biss/ treibet den Harn/ unnd bekümpt denen insonderheit wol/ die etwas gifftiges gessen oder getruncken haben. Gleicher Gestalt gebraucht/ fürdert den Weibern jhre gewohnliche Monatblumen/ unnd treibt auss die todt Geburt. Dient auch wider die Geelsucht/ und führet sie beyde durch den Harn und Stulgang auss.
    Holwurtzelsamen zu Pulver gestossen und eingenommen/ sol die stätigen Bauchflüss stopffen.
    Das Kraut und Wurtzel miteinander sampt den Blumen gestossen/ unnd den Safft darvon aussgedruckt/ und iiii.Loth darvon getruncken/ treibt auss die Würm. Die Wurtzel mit Wein getruncken/ thut dergleichen/ unnd ist die klein Holtzwurtzel under den andern für junge Kinder am besten zu gebrauchen.
    Der Safft von Holwurtz obgemeltder massen gebraucht und darvon Morgens und Abends iiii.Loth oder vier Löfelvol eingenommen/ ist denen ein heilsam Artzeney die mit dem Krebs/ der Fistel und allen andern alten faulen Schäden beladen seindt. Weil man aber den Safft uber Jahr nicht haben kann/ sol man auss dem dörren Kraut unnd Wurtzeln nachfolgenden Tranck machen: Nimb dess gedörten Holwurtzskraut mit den Blumen zwo Handtvoll/ der Wurtzel davon klein geschnitten ein Handtvoll: Thue solche Stück in ein Kanden/ und schütt darübber ein halb Mass guten fürnen weissen Wein/ unnd so viel Wassers: unnd thu ferner darzu vi.loth Feinzuckers oder ein vierling Jungfrauwen Honigs/ verkleib darnach die Kannten zu mit einem Teyglein von Weissmeel und Eyerweiss gemacht/ also dass du ein zwyfachs Tüchlein im Teyglein netzest/ und die Fugen der Kannten damit wol verkleibest: Setz darnach die Kanne in ein Kessel mit warmem Wasser/ so wirdt das Tüchlein hart/ unnd verhütet dass kein Laum herausser mag kommen/ lass darnach also mit stätem Fewer vier Stunden sieden/ unndlass folgendts erkalten/ darnach mach die kannten auff/ unnd seihe die Materi durch ein sauber Tuch/ das behalt in einem wolvermachten Glass/ so hastu zu obgemelten Schäden/ dessgleichen zu allen Wunden ein köstlichen Wundtranck. Von diesem gieb dem Schadhafften ein Pfenning Glässlein voll dess morgens zu trincken/ dessgleichen auch so viel dess Abendts/ das beharz so lang biss der Schaden oder Wunde heyl wirdt.
    Holwurtz mit dem Kraut unnd Blumen in Wasser/ Wein oder Bier gesotten/ unnd Morgens unnd Abendts jedesmal ein Trüncklein darvon gethan/ heylet alle innerliche Verwundung.
    Sonst reiniget dieses Gewächs das Geblüt/ wie der Taubenkropff.

Eusserlicher Gebrauch der Holwurtz
    Es ist die Holwurtz ein sehr treffentlich Wundtkraut/ dann wir es in Erfahrung haben/ was Hülff die beweisen kann/ nicht allein alten Schäden unnd Wunden/ sondern auch in löcherichten flüssigen unnd bösen Schäden der heimlichen Glieder/ beyde der Männer unnd Weiber/ dessgleichen auch in den Verwundungen unnd Schäden der Gäul unnd dess Viehs.
    Wann einer Löcher unnd flüssige Schäden am heimlichen Ort hette/ es weren Manns oder Weibs Persohnen/ sollen sie das Kraut unnd Wurtzel in Wein sieden/ unnd den Schaden etlichmal dess Tags darmit wäschen/ unnd allwegen darnach dess Pulvers von der Wurtzel darein zedeln oder strewen.
    Holwurtzel mit dem Kraut und Blumen in Wasser unnd Wein gesotten/ unnd damit die faulen Schäden/ Löcher unnd Wunden zum offtermal gewäschen und gereiniget/ fürdert sie baldt zur Heylung.
    Die Wurtzel dieses Krauts gepülvert/ und mit Essig temperirt/ wie ein Sälblein/ heylet Reuden und Grindt/ die schädigten Ort damit angestrichen.
    Den Safft auss dem Kraut unnd Blumen aussgedruckt/ darinn ein wenig Zucker Candit zertrieben/ und dess Tags etlichmal ein Tröpfflein oder vier in die Augen getropfft/ vertreibet die Flecken in den Augen/ und erkläret das Gesicht. Heylet auch die Augengeschwer.
    Holwurtz gepülvert/ unnd mit Honig temperiert wie ein Pflaster/ heylet unnd vertreibet Beulen von stossen und fallen die nicht offen seyndt/ auff ein Tüchlein gestrichen/ unnd ubergelegt.
    Holwurtz mit Kraut und Wurtzel in Wein gesotten/ unnd Pflastersweiss ubergelegt/ legt den schmertzen dess Podagrams und Gliedsucht von Kälte verursacht.
    Die Bletter Blumen unnd Wurtzeln frisch gestossen auff ein Handvoll/ unnd darzu gethan sechs Loth Rosensalb/ solches sittiglich mit einander gesotten/ biss der Safft eyngesotten ist/ und durch ein Tüchlein hart aussgedruckt/ darnach widerumb lassen erkalten/ so wirdts ein grünes Sälblein/ das legt den Schmertzen der auffgelauffenen Gülden Adern zum offtermal darmit gesalbet/ unnd mit zarten Tüchlein darüber gelegt. Oder Holwurtzel zu Pulver gestossenunnd durch ein Sieblein geschlagen/ darnach mit der grünen Poppelsalben vermischet/ zu einem zarten Sälblein/ gleicher Gestalt gebraucht.
    Holwurtz mit dem Kraut und aller seiner substantz in Bachwasser gesotten/ und ein Bad darvon gemacht/ heilet allen bösen flüssigen Grindt/ darin gebadet.
    Gepülvert Holwurtz mit Honig temperiert wie ein Sälblein/ dienet wider die Mundtfäul/ unnd alle andere Geschwer unnd Verwundung dess Mundts und der Zähnbiller/ darmit gesalbet.
    Ein gutes Sälblein vor das Geschwer inwendig in der Nasen (POLYPUM:) Nimm gepülvert Holwurtz durch ein reines Sieblein durchgeschlagen ein Loth/ Aloepatick gepülvert/ ungeleschten Kalck rein gepülvert/ jedes ein halb Loth/ Diese Stück vermisch durch einander/ temperiers in einem Mörserlein wol mit Honig/ dass ein sälblein werde/ unnd brauch es zu obgemeldtem Gebresten. Dieses heylet auch den Krebs der Nasen.
    Gepülvert Holwurtzel mit Honig temperirt wie ein Pflaster/ auff ein Tüchlein gestrichen/ unnd ubergeleget/ heylet ein jede frische Wunde/ unnd machet Fleisch darinn wachsen.
    Ein gut Wundtpflaster: Nimb dess frischen Holwurtzs Kraut mit den Blumen xvi.Loth/ frisch Baumölen xxxii.Loth/ Regenwürmölen viii.Loth: Diese siede mit einander uber einem linden Fewerlein/ biss sich der Safft vom Kraut verzehret hat/ Kübelhartz oder Pinhartz/ Lerchenhartz oder gemeinen Terpentin/ jedes viii.Loth/ Jungfrawen Wachs xii.Loth/ Lass sittiglich zergehen/ darnach lass es vom Feuwer uberschlagen/ unnd rühre nachfolgende Stück sittiglich darein: Gepülvert Holwurtz drey Loth/ Aloepatick/ lang Osterlucey Wurtzel jedes zwey Loth/ zu reinem Pulver gestossen: Gedörrt unnd gepülvert Regenwürm ein Loth/ rein gestossen Saffran i.quintlein: Diese stück vermisch wol durch einander/ unnd zedels allgemächlich in das Oele darinn die obgemeldten stück zerlassen seynd mit stätigem rühren biss es kalt und dick wirdt: Darnach böhre es wol und behalts zum gebrauch: Dieses Pflaster heylet ein jede Wunde/ wann gleich auch die Nerven verletzt seynd/ und machet Fleisch wachsen.
    Solche und dergleichen Pflaster sollten unsere Scherer und vermeinte Wundartzet brauchen/ und jhre gefärbte und gemalte Karchschmirsalben einmal abfertigen/ so würden sie nicht so viel Leuth verderben.
    Gepülvert Holwurtzel in die faulen Wunden und Schäden gezedelt/ seubert und reyniget sie/ verzehret das faul Fleisch darin/ und macht frisch wachsen: und thut aber solches destomehr/ wann man das Kraut unnd Wurtzel in Wein seudet/ und mit der durchgesigenen Brühen die Schäden zuvor wäschet/ ehe man das Pulver darein thut.
    Holwurtz in halb Wein und Wasser gesotten/ unnd darmit den Mund aussgespület/ unnd den Halss gegurgelt/ heylet die Mundfeul/ die Geschwer dess Zahnfleisches/ der Biller und dess Halss: Dienet auch wider die Geschwulst dess Halss unnd der Mandeln/ offt warm darmit gegurgelt. Und wird aber diese Artzeney desto kräfftiger/ so man Rosenhonig oder Nüssleuffelsafft DIACARYON genant/ in der Apotecken darmit vermischet.
    Holwurtzel in Essig gesotten/ und darmit den Mund unnd Zähnbiller offtmals aussgespület und gewäschen/ befestiget die Biller und das Zahnfleisch.
    Holwurtzel gepülvert/ in die Fisteln gezettelt/ heylet dieselbige. Man soll aber das Kraut und Wurtzel in Wein sieden und diese durchgesigene Kochung mit einer schritzen offtermals in die Fistel thun/ und sie damit ausswäschen/ und darnach das Pulver darein zedeln. Man soll auch den Krancken stätig von der Wurtzel trincken lassen/ biss die Fistel gar heyl ist.

Holwurtzwasser
AQUA FUMARIAE BULBOSAE STILLATITIA

    Auss der Holwurtz distillirt man auch ein heylsam Wasser: Die beste Zeit aber dasselbig zu distilliren/ ist in dem end dess Aprillen/ wann es in seiner vollkommenen Blüth ist/ soll man Kraut/ Blumen und Wurtzel wol geseubert/ klein hacken/ und IN BALNEO MARIAE sänfftiglich abziehen/ darnach wie nun zum offtermal angezeigt/ in der Sonnen rectificiren/ und zum Gebrauch auffheben.

Jnnerlicher Gebrauch dess Holwurtzwassers
    Holwurtzwasser dienet sehr wol zu reinigen/ das unsauber verbrant unnd Melancholisch Geblüt/ in der Muselsucht/ Grind/ Rauden/ Schebigkeit und der Frantzosen Kranckheit/ allerdings wie das Taubenkropffwasser gebraucht wird/ vor sich selbst/ oder mit bequemen Syrupen vermischt/ getruncken.
    Holwurtzwasser Morgens und Abends jedesmal auff vier oder fünff Loth getruncken/ ist ein fast heylsam Artzeney die schwache und erkalte Leber zu stärcken/ und deren Verstopffung zu eröffnen.

Eusserlicher Gebrauch dess Holwurtzwassers
    Holwurtzwasser in die Augen geträufft/ und dieselben auch damit gewäschen/ heylet die Geschwer derselben/ vertreibet die Flecken/ und macht ein klar/ hell und lauter Gesicht.
    Die Händ zum offtermal damit gewäschen/ und von jhm selbst lassen trucken werden/ vertreibt das Zittern.
    Den Mund mit Holwurtzwasser gewäschen/ auch den Halss damit gegurgelt/ heilet die Mundgeschwer/ und alle Versehrung dess Munds und Halss: Dienet auch wider die geschwulst dess Halss und der Mandel.

Holwurtzwein
CAPNITES EX CAPNO BULBOSA

    Auss der Wurtzel dieses Krauts/ kann man zu Herbstzeiten einen nützlichen guten Wein bereiten/ wie man den Alantwein zu machen pflegt: Der dienet sehr wol in Sterbensleufften/ dann er behütet vor Pestillenzischer Vergifftung. Jst ein heylsamer Tranck in Churen der alten Schäden/ Krebs/ Fisteln/ Schorbock/ Muselsucht/ Frantzosen kranckheit/ Raud/ grind/ Schebigkeit und allen Verunreinigungen der Haut/ vor ein gemeinen Speisstranck getruncken.

Conservenzucker von Holwurtz
CONSERVA FUMARIAE BULBOSAE

    Auss den Blümlein der Holwurtzel/ kann man im end dess Aprillen/ oder im anfang dess Meyens auch ein nützlichen Conservenzucker machen/ wie man sonst den Rosen- und anderer Blumenzucker zu machen pflegt/ der wird sonderlich gelobt zu der krancken unnd blöden Leber/ eröffnet deren Verstopffung/ und reiniget das Geblüt. Dieser Zucker verhütet auch den Menschen für Pestilentzischer Vergifftung/ dess Morgens nüchtern ehe man in die Lufft aussgehet/ einer halben Castanien gross eingenommen. Sonst mag dieser Zucker vor die Gebresten gebraucht werden/ darzu der Taubenkropffzucker dienet.
    Ferner kann man Saltz/ Oele/ aussgezogenen Syrup/ Extractensafft und dergleichen/ auss der Holwurtz machen/ wie auss dem Taubenkropff/ und dieselbigen auch zu dergleichen Kranckheiten gebrauchen/ wie man die vom Taubenkropff bereitet/ zu gebrauchen pflegt.