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KRÄHENFUSS-WEGERICH (SCHLITZ-WEGERICH)

 Plantago coronopus - Plantaginaceae

 


 

VON DEM KRÄHENFUSS.

 

 

 

            Der Krähenfuß hat ein dünne schlechte Wurtzel mit vielen Zaseln/ am Geschmack zusammen ziehende mit einer Wärmbde. Die Bletter seynd schmal und lang/ und gewinnt ein jedes Blat etliche Nebenzincklein/ die seyndt schmal und lang/ die seyndt den Vogelsklawen oder Hirschhörnern der gestalt nach ähnlich/ von Farbe satt oder schwartzgrün/ die ligen auff der Erden gerings herumb Sternenweiß. Zwischen den Blätlein dringen herfür schmale/ runde/ haarechtige Stengel/ die bringen oben am Gipffle lange Kölblein oder Aeher/ die seyndt mit Blühet unnd dem Samen den Ahern am spitzen Wegrich ähnlich. Es wächst an etlichen orten von sich selbst/ wird aber doch heutiges Tages den mehrentheil in den Gärten zu dem Salat gezielet. Es wächst gar gern vom Samen (bedarff keines besondern pflantzens oder wartens) unnd baldt in jedem Grundt/ er sey gleich gebawet oder nicht. So man aber schöne und dicken Krähenfuß haben wil/ so muß man das Kraut offt abschneiden lassen/ darmit es nicht ubersich in die höhe wachse/ derowegen sol man mit einer Waltzen darüber fahren/ oder mit Füssen wol tretten/ damit es undersich wachsen möge.

 

 

            Der wildt Krähenfuß hat ein lange Wurtzel/ gleich der Graßnägelen Wurtzel/ die hat ein zusammenziehenden geschmack/ das ist dem ersten mit Blettern/ Kolben/ Blumen unnd Samen durchauß gleich/ außgenommen daß die Bletter schmäler/ dünner/ unnd mit kleineren Zincklein zerspalten seyndt. Es wächst in dürrem ungebauwenem Erdtreich von sich selbst.

 

 

            lll. Das dritte und klein Geschlecht/ ist dem jetztgemelten durchauss gleich/ allein daß es allerdings kleiner ist/ und daß es grawe und rauhe Stielgen hat. Dieses wächst nicht von sich selbst bey uns/ sondern in Jtalien auff dem Apenninischen Gebirg/ unnd in der Provintz Franckreich/ wie MATTHIAS LOBELIUS solches bezeuget/ der auch der erste/ der dieses Kreutlein gefunden und offenbahret hat.

 

 

            lV. Das vierdte Geschlecht hat ei kleines untüchtiges Würtzlein/ die Bletter seyndt viel kleiner dann dess beschriebenen Krähenfuss/ sonst sind sie denselben der Gestalt halben mit den Nebenzincklein nicht ungleich/ das ligt mit seinen stielen gerings umb auff der Erden außgespreytet/ es treget weisse Blümlein/ wann dieselben abfallen/ so folgen hernach runde kleine Böllelein unnd Bläßlein/ die seyndt etwas rauhe unnd stechend. Es wächset dieses Kreutlein viel in den Früchten auf den feuchten Feldern/ sonderlich aber sonderlich aber in dem Bruhreyu/ unnd an den Strassen und andern feuchten Orten hin unnd wider. Jm Niderlandt unnd Flandern findet mans uberflüßig/ deßgleichen auch im Hertzogthumb Bergen.

 

 

            Das fünffte Geschlecht hat ein langechtige Wurtzel/ die ist holtzechtig und dick/ am Geschmack ein wenig räse/ gleich wie Würtz oder Specerey. Es hat viel außgespreyte Bletter/ die seyndt den Blettern deß wildten Kinbaums ähnlich/ darzwischen kommen herfür viel kleiner Stiel/ dreyer Palmen lang/ darauff wachsen klein Kölblein oder Aehrlein/ die seyndt den Aeherlein deß wildten Krähenfuß/ oder den Wegerichs Kölblein gleich/ darinnen der Samen verschlossen ist. Dieses Gewächs wächst uberflüssig/ als MATTHIAS LOBELIUS schreibt/ under dem Bocksdorn auff den Hübeln und rauhen Felsen nahe bey Marsilien gelegen/ welcher auch der erste ist gewesen der es in Schrifften angezeigt hat.

 

Von den Namen der Krähenfüssen.
            Das erst Geschlecht deß Krähenfuß ist das recht CORONOPUS, welches DIOSCORIDES LIB.2.C.116. beschreibet/ das wird Lateinisch genannt/ CORONOPUS, CORONOPODIUM, PES CORNICIS, DACTYLUS, AMMONUS, das ist/ ARENARIA, ASTRIUM, CACIATRIX und STILAGO, oder wie etliche wöllen SILAGO. Bey dem COLUMELLA wirdt es genannt PES MILUVINUS, unnd bey APULEIO GALLICUS, oder CRUS GALLI. Bey den Kreutlern PES CORVI, CERVICORNU, unnd CERVICORNIA HERBA, GRAMEN CERVINUM, STELLA MARIS, CAPRIOLA unnd HERBA STELLA, dieweil dieses Krauts Bletter Zincken haben wie die Hirtzhörner/ unnd darnach daß die Bletter gerings herumb Sternsweiß umb den Stengel auff der Erden ligen. Teutsch/ Krähenfuß/ Rappenfuß/ Hirtzhorn und Hirtzgraß.
            ll. Das zweyt Geschlecht/ heisset bey dem PLINIO CANARIA. Bey AUICENNAE SANGUINARIA. Bey den Kreutlern CORONOPUS SYLVESTRIS, SERPENTINA, unnd GRAMEN SERPENTINUM. Hochteutsch/ Wildhirtzhorn/ Schlangenzwang/ unnd Schlangengraß.
            lll. Das dritte Geschlecht wirdt von den Kreutlern genannt CORONOPUS MINOR und SERPENTINA MINOR. Teutsch/ kleiner Krähenfuß/ unnd klein Schlangengraß.
            lV. Das vierdte Geschlecht wirdt von den Kreutlern CORONOPUS REPENS, CORONOPUS ARVENSIS, unnd CORONOPUS THEOPHRASTI genannt. Hochteutsch/ kriechender Krähenfuß/ Feldthirtzhorn/ unnd Ackerhirtzhorn.
            V. Das fünfft Geschlecht wirdt von den Kreutlern CORONOPUS MASSILIOTICUS, unnd Hochteutsch/ Marsilischer Krähenfuß genannt.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Krähenfüßkreuter.
            Das erst beschrieben Krähenfüßkreutlein hat ein truckene Eigenschafft mit einer geringen wärme/ sampt einer Zusammenziehung. Der kriechend Krähenfuß oder Feldhirtzhorn ist dem ersten in der Natur gleich/ unnd werden mehr in der Speiß dann in der Artzeney gebraucht. Der wild Krähenfuß/ sonst mit anderen Namen Schlangengraß genannt/ hat ein stopffende Eygenschafft/ ist temperierter oder mittelmässiger wärmbde/ die sich doch mehr zu külen dann zu wärmen neyget. Der klein Krähenfuß auß der Provintz Franckreich/ ist dem Schlangengraß an der Natur und Eygenschafft gleich. Das fünfft Geschlecht/ ist wärmer und truckner Eygenschafft/ dann er hat ein warmen/ räsen Würtzgeschmack.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Krähenfuß.
            DIOSCORIDES LIB.2.CAP.116. spricht/ der Krähenfuß werde auch gekocht unnd gessen wie andere Gemüßkreuter. Heutigs Tags wird er den mehrentheil zu den Salaten gebraucht/ wiewol er auch gleich wie der Ackerhirtzhorn mit Saltz unnd Essig in Fäßlein eingemacht/ unnd uber Jahr behalten wirdt mit anderen Speisen zu essen/ den Appetit unnd Lust zum essen zu erwecken. Er wirdt aber eingemacht wie das Bacillenkraut.
            DIOSCORIDES, PLINIUS, GALENUS und AETIUS schreiben diesem Kreutlein zu/ daß so es gessen werdee/ sol es wieder die Bauchfluß dienlich seyn. PLINIUS lehret/ daß man die Wurtzel in heisser Aeschen braten und trucknen sol/ folgends zu den Bauchflüssen gebrauchen.
            Man hat auch weiter erfahren/ daß gemeldt Kreutlein dient wider die Mutterflüß und das Blutspeihen/ in Speiß/ Tranck oder Artzeney gebraucht.
            Dieses Kreutlein gestossen unnd den Safft darauß gedruckt darvon iiii. Oder v. biß in vi. loth getruncken/ ist denen gut die von Schlangen gebissen sind dann er benimpt dem Schlangengifft sein Krafft/ daß es dem Menschen nicht schaden mag.
            ARCHIGENES bey dem AETIO preiset das Hirtzhornkreutlein sonderlich den wassersüchtigen dienstlich zu seyn/ so sie das in der Speiß gebrauchen. JACOBUS SYLVIUS ein hochberümbter Mann/ rathet das in der Diet zu gebrauchen in Sterbensleufften/ dann es der Pestilentzischen vergifftung wiederstand thun solle.
            Es wirdt der Krähenfuß heutiges Tags auch von vielen gelobt wieder das Grün unnd den Lendenstein/ so man den in der Kost oder Artzeney gebrauchet. Etliche stossen die Wurtzel zu Pulver/ unnd geben dessen eines gülden schwer mit einem weissen fürnen Wein zertrieben/ warm zu trincken/ das treibt gewaltig fort.
            Der wild Krähenfuß/ sonst Schlangengraß genannt/ ist ein fürtreffentlich Kraut wieder die gifftige Bissz unnd Stich der Schlangen/ so man desselben ein halb loth auff einmal zu einem subtielen Pulver gestossen/ mit einem Trüncklein weissen fürnen Weins zertrieben warm einnimpt/ dann es ein geschwinde hülff erzeiget/ und wirdt vor ein besonder Experiment gehalten.
            Die Wurtzel deß Schlangengraß in Wein gesotten/ unnd von dem gurchgesigenen Wein ein untz oder vier warm getruncken/ darauff sich niedergelegt und geschwitzet/ und das etlich tag nacheinander beharret/ ist ein heylsame Artzeney den Wassersüchtigen.
            Schlangengraßsamen zu einem subtilen Pulver gestossen und dessen ein quintlein mit rotem Wein getruncken/ stopffet allerley Bauchflüß/ und vertreibet das Blutspeihen.

 

Krähenfuß oder Hirtzhornwasser.
CORONOPI AQUA STILLATITIA.

 

            Wiewol der Krähenfuß heutigs Tags wenig gebraucht wirdt/ unnd sein gebrauch auch den mehrentheil unseren Practicanten unbekannt ist/ so haben doch etliche erfahren die den natürlichen Dingen fleissig nachforschen/ daß das gedistillirt Wasser dieses Kreutleins zu folgenden Gebrechen dienlich ist. Die beste zeit aber dasselbig zu distillieren ist im Brachmonat/ also daß man das Kreutlein mit seiner wurtzel und aller substantz klein hacke/ darnach sittiglich IN BALNEO MARIAE abziehe. Dieses Wasser soll man dann nemmen ein Maß/ unnd deß dürren Hirtzhornskraut und Wurtzel groblecht zerstossen damit vermischen/ darnach in ein Kolbenglaß thun/ darauff setzen ein Helm ohn einen Schnabel/ und den Ranfft darumb wol verlutiren/ folgends 24. stunden IN BALNEO MARIAE digerieren lassen/ dann deß Morgens ein andern Helm mit einem Schnabel darauff setzen/ unnd senfftiglich zum andernmal distilliren/ darnach in die Sonn wol vermacht setzen zu rectificiren/ und dann zum gebrauch behalten.

 

Jnnerlicher Gebrauch deß Krähenfußwassers.
            Krähenfußwasser deß morgens und abends jedesmal iiii. Oder v.loth getruncken/ treibt den Harn und Grieß/ bricht den Stein der Nieren/ und führet den auß/ reiniget die Nieren/ Harngäng und die Blasen von schleim und wust. Dient wider das blutspeihen/ stillet den durchlauff deß Bauchs und die Mutterflüß.