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KORNBLUME
Centaurea cyanus - Compositae


VON DEN KORNBLUMEN


    Der gemeinen Ackerkornblumen/ die in den gebauwenen Feldern under Frucht wachsen/ findet man gemeinlich vier Geschlecht/ die seynd allein mit den Farben der Blumen underscheiden. Die Wurtzel ist holtzechtig unnd zaserechtig. Die Bletter dieser Gewächs seynd lang/ haarechtig/ grob/ hart und rauhe/ Aeschenfarb/ etlichermassen sich den Blättern dess Krähenfuss vergleichend/ aussgenommen dass sie länger und schmäler seynd/ etliche derselben haben zwey Spitzlein/ wie die örechtig Salbey/ gewinnen viel Aestlein und Nebenzweyglein/ an einem langen/ holtzechtigen unnd eckechtigen Stengel/ welche am obern theil viel rauher/ scharpffer/ schüpechtiger Knöpff tragen/ darauss die schönen/ lieblichen Blumen im Brachmonat herfür wachsen/ ein theil weiss/ die andern halb blaw und weiss durcheinander vermischt/ die dritten braun/ und die vierten schön Himmel oder Lazurblawe/ welche dann auch under allen gemelten Geschlechten die gemeinsten seynd/ wann die verblühet unnd vergangen seynd/ folget in den rauhen/ schüpechtigen Köpfflein/ der weiss/ haarechtig/ glantzend Samen. Sie wachsen fast in allen Fruchtäckern. Wiewol nun diese Blumen in allen Kornäckern gemein/ darinn sie sich mehr besamen unnd mehren/ dann dem Bauwersvolck und sonderlich den Schnittern lieb ist/ so werden sie doch von der schönen und lieblichen Farben wegen/ von fleissigen Gärtnern/ sonderlich aber von den Jungfrauwen in den Lustgärten/ jährlich von Samen zu den Kräntzen geziehlet.
    Der zamen Geschlecht dieser Blumen/ findet man in unsern Lustgärten siebenerley Arten/ die allein von wegen der verenderungen der Farben in den Blumen von den wildten Geschlechten underschieden werden/ sonst seynd sie mit den Wurtzeln und aller Substantz den wilden gleich/ aussgenommen dass die Bletter durch die Pflantzung zarter und subtiler/ unnd die Blumen scheinbarer und grösser werden.
    l. Das erste Geschlecht hat schöne Latzur oder Himmelblaw Blumen/ 2. das ander Geschlecht Purpurbraun/ 3. das dritt Weissblumen/ 4. das vierdt liechtweiss Veielbraun Blumen/ 5. das fünfft Himmelblawe/ schöne gefüllte Blumen/ 6. das sechst gefüllt Purpurbraun Blumen/ 7. das siebend weiss doppel oder gefüllte Blumen.
    lX. Dieser Kreuter findet man noch dreyerley wilder Geschlecht von sich selbst wachsend: Das erste hat ein grawelechtige dicke zaserechtige Wurtzel/ die Bletter sind lenger und breyter/ dann die Bletter der Kornblumen/ von Farben aeschenfarb haarechtig/ und tieff uerschnitten/ fast wie die Bletter dess Sonnenwürbels/ die Stengel werden nit viel uber Elen lang/ sind krumm/ und haben hölkeelen/ gewinnt viel Nebenästlein/ darumb kleine schmale Blättlein stehen/ die sind nicht zerschnitten. Die Blumen sind von Farben Purpurrot/ haben innwendig geele/ mit weiss und Purpurrot durch einander vermischte Fäselein/ die wachsen auss schüpechtigen/ rauhen Knöpfflein/ die seyndt rauher/ dann die Knöpfflein der Kornblumen/ und haben kleine Stacheln oder dornechtige Spitzlein. Dieses Geschlecht wächst an den enden und Rechen der Aecker und Weingärten/ in grassechtigem hartem Erdreich.
    X. Das ander Geschlecht hat lange Blätter/ wie die understen Bletter der schwartzen IACEAE/ seynd doch lenger/ schmaler unnd steiffer/ die Wurtzel ist eines kleinen Fingers dick/ hat wenig Nebenwürtzlein/ eines fast bittern Geschmacks. Die Stengel deren es zween oder drey hat/ seynd rund/ nicht viel uber eines Schuchs lang/ die ligen auff der Erden/ haben wenig Nebenzweiglein/ die Blumen seynd dunckel Purpurbraun/ kleiner alss die nechstgemelten/ die kommen aus langen schüpechtigen Knöpfflein oder Häusslein. Es wächst an ungebauwenen harten Orten und steiffen Erdtreich.
    Xl. Das dritte Geschlecht/ welches der Ordnung nach das eilffte ist/ hat eine Wurtzel/ die dem vorigen nicht ungleich/ allein dz sie kleiner und holtzechtiger ist/ darauss wachsen iii. oder vier bintzechtiger/ dünner Stengel/ die seynd hart unnd holtzechtig eines Schuchs hoch/ die seynd oben her in etliche Nebenzweiglein abgetheilet/ darauff wachsen die kleinen/ dunckelbraune Blumen auff den schüpechtigen Häusslein oder Knöpfflein/ die Bletter seynd den Blettern der Kornblumen ähnlich/ aussgenommen dass sie kleiner seynd/ der Geschmack dess gantzen Gewächs ist bitterechtig doch weniger als das nechst Geschlecht/ es wächset auch dieses in rauhem dürren Erdreich.

Von den Namen Kornblumen
    Die Kornblum ist von DIOSCORIDE/ GALENO und andern alten Aertzten nicht beschrieben worden/ derowegen wir auch jhre Nahmen/ wie die bey den Alten geheissen worden/ nicht anzeigen können. Sie werden heutiges Tages von den Gelehrten von wegen jhrer schönen lieblichen Himmelblauwen Farben Lateinisch CYANUS genannt. Bey unsern Apoteckern FLOS FRUMENTI/ unnd in den Apotecken in Franckreich BLATTISOSELLA. Hochteutsch/ Kornblum oder Cornblum/ Rockenblum und Zackariasblum.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Kornblumen
    Es seynd die Kornblumen trockner und kalter Natur im andern Grad/ werden sehr wenig in Leib gebraucht. Etlich halten darvor/ sie sollen der Pestillenzischen Vergifftung widerstand thun/ derowegen sie zu dem Wegwarten Syrup mit Rhabarbarae gemacht genommen werden.
    Die andern drey letzter unnd wilder Geschlecht CYANOIDES genannt/ seynd warmer und truckner Natur/ sollen derwegen an der rechten Kornblumen statt nicht genommen oder gebrauchet werden.

Jnnerlicher Gebrauch der Kornblumen
    Etliche brauchen die Kornblumen in den hitzigen Pestilenzischen unnd brennenden Febern/ derowegen sie dieselbigen auch zu dem SYROPO DE CICHONIO CUM RHABARBARO nemmen/ welcher dann fürnemlich in dergleichen brennenden Febern gebrauchet wird.
    Andere nemmen zu den gemeldten Febern der abgepflockter Kornblumen zwo Handvoll/ giessen darüber inn ein saubern Krug oder erdin Geschirr zwey Massen/ siedend heyss Brunnenwasser/ stellens verdeckt hin biss es kalt wird/ darnach seihen sie das Wasser darvon ab/ und thun darzu iiii. Untzen Nägleinblumenessig/ unnd sechs Untzen guten Feinzucker/ lassens ein mal oder etlich auffsieden/ darnach seihen sie es wider durch/ und geben darvon den Febricanten nach Durst zu trincken/ das kümpt jhnen sehr wol/ unnd ist in allen hitzigen Febern ein heylsamer unnd gesunder külender Julep/ der die Febrische Hitz miltert/ das Hertz kület unnd erquiket/ den Durst leschet/ unnd alle hitzige entrichtung alteriert/ unnd wider zu recht bringet.
    Was andere ferner von diesen Blumen geschrieben/ dass sie jhnen nemlich zugeben/ dass sie wider der Spinnen/ Scorpionen unnd andere Gifft sollen dienstlich seyn/ das ist gefehrlich zu versuchen/ sintemal sie solches nicht versucht/ unnd allein ein falsche Wahn sie darzu beweget hat/ dass sie diese Blumen vor das CORONARIUM LYCHNIDEM DIOSCORIDIS gehalten haben/ aber wie höchlich darinn geirret/ darff nicht viel beweisens/ sintemal dieses Gewächs durchauss kein Gemeinschafft mit dem LYCHNIDE CORONARIA hat/ wie an seinem Ort weiter darvon angezeiget werden soll.

Eusserlicher Gebrauch der Kornblumen
    Kornblumenkraut gestossen/ unnd Pflastersweiss uber die hitzige Geschwulst gelegt/ ist ein kräfftige Artzeney dieselbige hindersich zu treiben und zu vertheilen.
    Etliche brauchen diese Blumen in dreyerley Weg auff folgende weiss. Erstlich vermischen sie die blauwen Kornblumen mit Spanischgrün/ legen solches uber die faulen Wunden und Schäden das faul Fleisch darinnen zu verzehren.
    Die braunen Kornblumen vermischen sie mit BOLO ARMENO/ unnd machen mit Rosenölen ein Sälblein darauss/ das streichen sie umb die Wunden/ dieselben vor entzündung zu verhüten.
    Die weissen Kornblumen vermischen sie mit Bleyweiss und Baumölen zu einer Salben/ die gebrauchen sie zu den hitzigen/ brennenden Blattern der Schenckel/ unnd andern Orten dess Leibs.
    Die blauwen Kornblumen gestossen und ubergeschlagen ist treffentlich gut zu den roten hitzigen Augen. Solche Artzeney dienet auch zu anderen hitzigen Gebrechen in der ersten gleichfalls ubergelegt.
    Blawe Kornblumen gestossen/ den Safft darvon aussgetruckt/ dient zu den faulen/ bösen Schäden/ dareyn gethan/ oder die Blumen getrucknet/ zu Pulver gestossen und dareyn gestrewet.

Kornblumen gedistilliert Wasser
CYANI FLORUM AQUA STILLATITIA

    Die beste zeit das Kornblumenwasser zu distillieren ist im ende dess Brachmonats/ dieselben abgepflückt unnd darnach sänfftiglich in BALNEO MARIAE abgezogen/ folgends zu dem GEBRAUCH BEHALTEN.

Eusserlicher Gebrauch dess Kornblumenwassers
    Blaw Kornblumenwasser ist fürtreffentlich gut zu den roten flüssigen Augen unnd andern derselben hitzigen Gebrechen/ dess Tags etlichmal in die Augen gethan/ unnd Tüchlein darinn genetzt und ubergelegt.
    Kornblumenwasser dienet auch zu dem hitzigen roten Angesicht/ offtermals angestrichen/ unnd machet ein schöne glatte Haut.
    Wider die fäule dess Zahnfleisches das sich hinwegfrisset/ also dass die Zähn schier gar bloss stehn: Nim vi. frischer lebendiger Bachkrebs/ unnd ii. Loth gross Klettenwurtzel/ stosse die in einem Mörser auff das allerkleinest/ biss sie gar zu Muss werden/ darnach zertreibe die gemelten stück mit xvi. Untzen Kornblumenwasser/ und seihe es dann durch ein Tuch unnd drucks hart auss/ davon nimb alle zwo Stunden ein Löffelein voll oder drey in den Mund/ unnd wäsche die biller oder Zanfleisch wol darmit/ biss du widerumb besserung befindest/ und frisch Zahnfleisch widerumb gewachsen ist.

Kornblumenessig
CYANI FLORUM ACETUM

    Es wird ein sehr schöner blauwer Essig von den blauwen Kornblumen auff folgende weiss bereytet: Man nimbt der frischen blauwen Kornblumen im ende dess Augstmonats unnd schneidet unden das weiss darvon/ das wirfft man hinweg/ die blauwen Blümlein trucknet man auff einem saubern Tuch im Schatten. Wann sie nun trucken unnd dürr worden seyn/ füllet man ein Violglass darmit/ darnach schüttet man ein hellen/ schönen/ weissen Weinessig darüber/ unnd stellet darnach das Glass wol vermacht in die Sonnen/ uber ein Monat seihet man dann den Essig darvon/ so ist er schön hell unnd durchsichtig. Diesen Essig brauchen unsere Hoffköch unnd Weiber zum Pracht auff den Bancketen/ aber er mag auch sonst nutzlichen zu külungen in hitzigen Kranckheiten gebraucht werden/ und das beyde jnnerlich unnd eusserlich/ zu Julepen/ Hertz unnd Hauptwassern.