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KNORPELMÖHRE (2)

  Ammi - Umbelliferae

siehe auch Knorpelmöhre

 


 

VON DEM SYRISCHEN KÖRFFELKRAUT

UND SEINEN GESCHLECHTEN.

 

 

 

             Das Syrisch Körffelkraut ist/ Gott dem Herrscher sey Lob/ unserm Teutschland auch bekand worden/ welches das wahre GINGIDIUM der Alten ist/ und haben wir heutiges Tags desselben drey underschiedliche Geschlecht.
            l. Das erste unnd recht GINGIDIUM DIOSCORIDIS hat eine weisse Wurtzel/ kleinen Fingers dick/ unnd einer Spannen lang/ mit wenig Zaseln/ die ist am Geschmack bitter mit einer zusammenziehung. Die Bletter seynd der wilden Pastenackenblettern ähnlich/ seynd aber kleiner/ und am Geschmack bitter/ under denen die understen sich etlicher massen dem gemeinen Peterlein vergleichen/ außgenommen daß sie lenger seynd. Von der Wurtzeln kommen zwischen den Blettern herfür/ kleine/ runde Stengel/ die werden fast einer Elen lang mit Holkelen/ die haben jhre Neben zweiglein/ darauff wachsen kleine Krönlein mit weissen Blümlein/ die seynd gerings herumb mit kleinen/ grünen Blätlein besetzt/ die seynd tieffer zerschnitten dann die Bletter so an Stengeln stehen. So die Blümlein abfallen/ rümpffen sich die Dolden/ und schliessen sich zusammen wie die Kronen oder Dolden an der Pastenachen/ welche/ so sie angetastet werden/ kleiben sie an den Fingern. Jn denen findet man einen kleinen Samen dem Ammeysamen ähnlich/ der ist am Geschmack wie die Wurtzel und Kraut etwas bitter/ und zusammenziehend.
            ll. Das ander Geschlecht hat auch eine Weißlechtige Wurtzel/ die ist etwas kleiner dann die Wurtzel deß jetztgemelten/ am Geruch der wilden Pastenachen gleich/ und aber am Geschmack bitter wie die vorige. Die Bletter seynd breyt/ vergleichen sich etlicher massen der Hirtzpasteney/ sind aber runder und kleiner. Der Stengel ist rundt/ haarechtig/ unnd mit Gewerblein oder Gleychen underscheiden/ an der Farb grawschwartz/ und auff anderthalb Schuch lang/ der hat auch seine Nebenästlein/ darauff kommen kleine Krönlein mit weissen Blümlein/ die seynd mit etlichen/ langen und schmalen Blätlein besetzt. Nach den Blümlein folget ein rauher grawer Samen/ der hat ein Geruch wie der Pastenachsamen/ der Geschmack aber ist bitter wie des ersten GINGIDII, mit einer zusammenziehung.
            lll. Das dritte Geschlecht hat ein weisse Wurtzel/ kleinen Fingersdick/ mit etlichen Nebenwürtzlein/ die hat ein Geruch unnd Geschmack den vorigen gleich/ die Bletter sind lenger/ schmäler unnd tieffer zerschnitten/ dann die Bletter deß ersten/ die seynd der wilden Pastenachbletter durchauß gleich/ allein daß sie zarter/ glätter und nit so rauhe seynd wie dieselben. Der Stengel hat seine Gewerb und Gleych/ deßgleichen auch die Krönlein oder Dolden die darauff unnd auff seinen Nebenzweiglein wachsen mit den weissen Blümlein/ allerdings wie die wilde Pastenach oder vogelsnest. Wann der Samen dieses Krauts zeitig werden will/ so rümpffen sich die Krönlein ein/ und ziehen sich zusammen wie die Krönlein der andern zweyen. Die Stiel daran der Samen gewachsen/ werden Gelbfarb und so hart wie ein Holtz/ daß man dieselbigen zu Zahnstücken gebrauchen kan/ darzu sie dann sonderlich auffgehaben werden. Alle gemeldte drey Geschlecht sind zu uns auß Syrien unnd dem Land Cicilien gebracht worden/ da sie dann vor sich selbst uberflüssig wachsen/ wiewol das dritte Geschlecht auch in etlichen Orten Hispanien von sich selbst wachsen soll/ derwegen es auch bey den Kreutlern den Namen zum underscheidt der zweyen ersten bekommen hat/ die es GINGIDIUM HISPANICUM genannt haben. Jn Teutschlandt muß man diese gewächs in Gärten zielen/ unnd in ein wolgebawenen schwartzen Grundt säen/ sie auch wol mit lauwem Wasser täglich besprengen/ biß sie ins Gewächs kommen.

 

Von den Namen der Syrischen Körffelkreuter.
            Man hat nun viel Jahr her das gemeine Körffelkraut vor dz wahre GINGIDIU gehalten/ welcher Jrrthum nu Gott Lob auch offenbar worden ist/ seithero wird das rechte GINGIDIUM DIOSCORIDIS bekommen/ haben also das nun ein jeder dem nur ein wenig zu helffen ist/ diesen seinen Jrrthumb leichtlich erkennen mag/ wann er beide Kreuter gegen der Description DIOSCORIDIS haltet und sie fleissig examinirt: Und wiewol wir deß rechten Syrischen Körffels biß daher gemangelt/ hat uns Gott der Herr denselbigen mangel widerumb reichlich erstattet/ und an dieses Krauts statt drey offenbaret und zu erkennen geben/ welchem wir billich vor diese und andere seine Gutthaten/ so er uns täglich beweiset/ unauffhörend den Danck sagen sollen.
            l. Das erste und rechte wahre GINGIDIU DIOSCORIDIS oder Syrisch Körffelkraut/ heisset  Lateinisch/ GINGIDIUM unnd BISACURUM. Von den Kreutlern wird er genannt GINGIDIUM SELINOPHYLLUM zum underscheid der zweyen folgenden Geschlechten/ deß gleichen auch zum underscheidt deß gemeinen Körffelkrauts/ CHAEREPHYLLUM SYRACU, CHAEREPHYLLUM CILICIUM, CEREFOLIUM SYRACU, und CEREFOLIU CILICIUM. Teutsch/ Syrischer Körffel.
            ll. Die andern zwey Geschlecht deß Syrischen Körffels sollen von wegen jhrer Gestalt/ Krafft unnd Wirckung dem GINGIDIO billich zugesellet werden/ sintemal es wahre Geschlechter desselbigen seynd/ derwegen sie auch in keinen weg darvon abgesöndert können werden/ under welchen das erste mit den breyten Blettern von den Kreutlern GINGIDIUM ALTERUM, und GINGIDIUM LATIFOLIUM genennt wird. Zu Teutsch/ Syrischer Körffel/ mit den breyten Blettern.
            lll. Das dritte Geschlecht/ wird von den Kreutlern GINGIDIUM TERTIUM, VISNAGA, BISNAGA, uund DENTISCALPIARIA genannt. Teutsch/ Zahnsticherkraut/ dieweil die Stiel daran der Samen wächset/ vor Zahnsticher gebraucht werden.

 

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft der Syrischen Körbelkreuter.
            Alle Syrische Körffelkreuter haben ein mittelmässige temperirte Eygenschafft und Wärmbde/ welche das ende deß ersten Grads erreichen/ seynd aber trucken im zweyten Grad/ mit einer zusammenziehung/ und wiewol sie von den Alten zur Speiß gebraucht worden seyn/ wie sie dann noch heutiges Tages gebraucht werden/ seynd sie doch viel nützer zu der Artzeney dann zur Speiß/ sintemal sie dem Leibe keine Nahrung mittheilen.

 

Jnnerlicher Gebrauch der Syrischen Körffelkreuter.
            Es werden heutiges Tages die gemelten Syrischen Körffelkreuter sehr wenig in der Artzeney gebraucht/ gleich wie bey den Alten auch/ aber in der Küchen wird es in ziemlichen Würden gehalten/ wie DIOSCORIDES solches LIB.2.C.123. bezeuget/ als er spricht: GINGIDIUM (das ist Syrisch Körffelkraut) wird gessen wie andere Mußkreuter/ rohe gekocht unnd eingemacht/ und ist fürnemlich dem Magen nütz unnd gut/ und treibet den Harn.
            Wein darinn Syrisch Körffelkraut gesotten worden ist/ getruncken/ ist der Blasen fast nütz und bequem.
            Diejenigen so die Maßleyd haben/ und keine Speiß nicht riechen mögen/ die sollen Syrisch Körbelkraut rohe mit Essig/ Baumöl/ und ein wenig Saltz essen wie ein Salat/ das machet den Magen wider begierig zur Speiß/ und bringet den verlornen Appetit wider.
            Rohe oder gekocht in der Speiß gessen/ verzehret alle ubrige Feuchten in dem Magen/ und trucknet sie auß.