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KNABENKRAUT
Orchis militaris - Orchidaceae


VON KNABENKRAUT

    Dess Knabenkrauts seynd etliche Geschlecht. Das erste wirdt von DODONAEO unnd MATTHIOLO beschrieben/ dass es feiste unnd breyte Bletter habe/ den Lilienblettern fast gleich: Der Stengel sey ecket und einer Spannen hoch/ auch etwas höher/ an welchem viel purpurbraune Blumen herfür kommen/ welche gleich als geährt umb den Stengel herumb stehen/ anzusehen wie ein offener Helm/ welcher underste Blettlein mit purpurbraunen Pünctlein besprenget seyn. An stat der Wurtzel hat es zween langlechte/ dicke Knollen oder Säcklein/ hart beysammen gesetzt/ auss welchen der öberste gar völlig und safftreich ist/ der underste aber weich und welck oder eingeruntzelz.
    Und ist zu mercken allhier bey dieser Description/ dass fast alle nachvolgende Geschlecht/ so in dieser lX. Section begriffen seyn/ einander an Wurtzeln unnd jhrer Krafft/ wie auch an Blettern/ und zum Theil an jhren Blumen/ fast gleich/ und ähnlich seyn/ also dass sie auch von dem gemeinen Mann leichtlich können erkennt werden.

Von den Namen
    Dieses Geschlecht der Knabenkräuter werden Griechisch und Lateinisch genennt CYNOSORCHIS.

Jnnerlicher Gebrauch
    Bey den Alten ist die grosse vollkommene Wurtzel wie ein andere Küchenwurtzel zu der Speiss gekocht worden/ dieser Zeit wirdt sie nicht allein in Speiss unnd Tranck/ sondern für ein köstliche Artzeney/ den erlameten Mannen/ welcher aller Muth mit Weibern entfallen ist/ ob sie darmit wieder zu erwecken.
    GALENUS schreibet/ die Wurtzel an dem Knabenkraut habe viel ubrige Feuchte bey sich/ derhalben wann man sie esse oder trincke/ so errege sie die Eheliche Werck/ unnd helffe dem alten schwachen Mann widerumb auff die Füss.
    Sie wirdt aber auff mancherley Weiss gebraucht/ etliche trincken sie in guten firnen Wein oder Malvasier/ etliche brauchen sie in der Speiss/ geben sie under ein Müsslein/ oder backen ein Küchlein darmit/ und geben sie zu essen.
    Aber das ander kleine verwelckte Säcklein gehört für die Closter Jungfrawen: Denn es schreibet GALENUS darvon/ dass dasselbige allen Lust unnd Begierde zu den Ehelichen Wercken hinweg nehme und hinderschlage.
    DIOSCORIDES schreibet/ wenn die Männer die grosse vollkommene Wurtzel von dem Knabenkraut essen/ so zeugen sie Knäblein. Und so die Weiber die kleine weiche Säcklein einnehmen und essen/ so empfangen sie Mägdlein. Und meldet darbey/ wenn die Weiber in THESSALIA ein Lust unnd Begierdt machen wöllen zur Unkeuschheit/ so geben sie die runde volle Wurtzel mit Geyssmilch ein zu trincken: Dargegen da sie den lust hinderschlagen wöllen/ so brauchen sie die runtzlechte Wurtzel.

Von der Latwerg: DIASATYRION

    Zu dieser Latwergen nimb der runden oder uberlengten Wurtzeln die feisten und vollkommenen/ so im Augstmonat gegraben/ wilder Pasteneywurtzeln/ Brachendistelwurtzel/ das Marck von Indianischen Nüssen/ Pineenkernlein/ Pistacien/ frisch Nägelein jedes dritt halb Loth/ weiss rein geschaben Jngber/ weiss Senffsamen/ das Körnlein auss der Frucht von Aschenbaum/ jedes fünff Quintlein/ die hinder Viertheil unnd Schwantz von frembden Eydexen/ so STINA genennt/ Nesselsamen/ (andere nehmen Zwiebelsamen) jedes dritthalb oder nur zwey Quint. Auss diesen Stücken mit schön geläutert Honig mach ein Latwerge/ in welche du zehlest fünff Gerstenkörner schwer Bisem/ mit Rosenwasser wol zertrieben thun solst. Diese Latwergen nimmt man auff einer Kesten gross ein/ wenn man zu Beth will gehen/ unnd thut ein Trüncklein gut kräfftig Wein darauff/ dann es die blöden Mannen reitzet/ erwärmet auch unnd stärcket die Lenden/ Nieren unnd Blasen/ nimmet alle Hindernuss dess Harns.