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GEISSRAUTE
Galega - Leguminosae


VON DER GEYSSRAUTHEN.

    Die Geißraute hat eine weisse Wurtzel/ Fingers dick/ ist holtzechtig/ und hat viel kleine Nebenwürtzlein oder Zaseln/ die bleibt unversehrt drey Jahr im Erdreich stehen/ und schläget alle Jahr wieder von der Wurtzel aus/ und gewinnt etliche Stengel/ die werden anderthalb Ellen hoch/ die sind mit feisten langlechtigen Blättern/ von unten an biß oben aus bekleidet/ je neun oder zehen/ auch bißweilen minder und mehr an einem Stiel auf beyden Seiten/ die vergleichen sich dann den Blättern der purpurblauen Vogelswicken. Am Oberntheil der Stengel erscheinen bleiche purpurblaue ärechtige Blumen [man findet sie auch gantz weiß] in dem Heumonat/ die sind den Blumen des Eselswicken/ oder aber vielmehr den obgemelte Vogelswicken so gleich/ daß man diese beyde Kräuter kaum von einander unterscheiden kan/ und ist der Unterscheid allein darinn zu mercken/ daß die Vogelswicken Gäbelein haben/ damit sie sich an den Hecken und andern Nebengewächsen anhencken/ deren die Geißrauten mangelt. Nach den Blumen folgen kleine lange unebne Schöttlein/ darinn ist der Saamen verschlossen/ welcher dem Saamen des Griechischen Heus ähnlich ist/ außgenommen/ daß er langlechtiger und kleiner ist. Dieses Kraut wächst gern in feisten und feuchten Orten/ an den Gestaden der Bäch und Wasserflüssen. Es wird auch von wegen seiner fürtrefflichen Tugenden in den Lustgärten gezielet/ darinnen es drey Jahr beständig beharret/ aber im vierdten Jahr verdirbet die wurtzel und das Kraut miteinander.

Von dem Namen der Geißrauten.
    Es haben fürtreffenliche hochgelehrte PHILOSOPHI und MEDICI, unsere Geißrauten vor das wahre POLEMONIUM DIOSCORIDIS gehalten/ als da sind NICOLAUS LEONICENUS, JOHANNES MANARDUS, ANTONIUS MUSA BRASSAVOLUS und AMATUS LUSITANUS, und das aus denen Ursachen/ dieweil die Geißraute allem Gifft Widerstand thut/ un solches gewaltig austreibet/ und wiewol es ein schädlicher Irrthum ist/ so ist es dennoch ein Irrthum/ der auch andere mit sich auf dem Rücken träget/ sintemal das rechte und wahre POLEMONIUM der Alten dardurch außgemustert wird/ und auch mit einem andern falschen Namen muß genennet werden/ und eines andern Krauts Namen fälschlich vertretten. Und obwol unsere Geißraute dem Gifft und der gifftigen Thier Biß Widerstand thut/ und dasselbige offtermals probiert haben/ so folget darum nicht daraus/ daß es das wahre POLEMONIUM der Alten sey/ dann wir solcher Kräuter noch viel haben/ die eben solche Würckung vollbringen/ sind aber darum nicht POLEMONIA, dann auch die andern Kennzeichen/ die die Alten dem POLEMONIO weiter zugeben/ auch mit müssen zuschlagen/ die an unserer Geißrauten nicht befunden werden/ dann weder die Wurtzel/ noch die Blätter/ oder der schwartze Samen/ mit der Beschreibung DIOSCORIDIS übereinkommen/ derowegen es das POLEMONIUM nicht seyn kan. Was aber das recht und wahre POLEMONIUM der Alten sey/ haben wir hier unten in dem Capitel von der Aeschwurtzel angezeigt. Was aber nun unsere Geißraute bey den Alten gewesen/ oder ob es ihnen auch bekant gewesen sey/ das ist uns unbewust/ sintemal uns noch nicht einige Description in den Schrifften der Alten fürkommen/ die sich mit diesem vergleichen möchte/ wollen derwegen/ dieweil uns deren Kräfft imd Tugend durch langwierigen Gebrauch genugsam bekannt worden/ zu frieden seyn/ und Gott dem Allmächtigen darum Lob und Dank sagen.
    Was nun aber die Namen dieses Krauts belangen thut/ hat es derselben viel und mancherley von den Gelehrten und Simplicisten bekommen: Von MATTHAEO SYLVATICO wirds HERBA DANETA, GALEA und REGALEA genannt: von HIERONYMO FRACASTORIO, HERBA GALLICA, von andern Kräutleren/ RUTA CARARIA, GALEGA, REGALLICUM, GRALEGA, HERBA GALENI, CASTRACANA, THORINA, MARTANICA HERBA, HERBA SARACENA, TAURINA, HERBA NESA, CAPRAGINA, RUTA GALLICA, GIARGA GIARCA, und von den MEDICIS in Italien/ FOENUM GRAECUM SYLVESTRE. [GALEGA VULGARIS, C. B. CLUS. PAN. & HIST. GALEGA, DOD. GER. AD. LOB. ICON. & OBS. LUGD. LON. SIVE RUTA CARARIA, MATTH. LAC. CAST. GES. HORT. CAM. ONOBRYCHIS, & HERBA GALLICA, FRACASTORIO, RUTA CAPRARIA, GES. HORT. GALEGA QUIBUSDAM FOENUM GRAECUM SYLV. DOD. GAL. CAPRAGO VULGO, CAESALP.] Italiänisch wird es genannt/ CASTRACANE GALEGA. HERBA NESA, CAPRAGINA, LARVAMANE, RUTA CAPRARIA. LAVANESE, MARTANICA GIARGA, FIENGRECO SILVESTRE, FIENGRECO SALVATICO, THORINA, TAURINA, SARRACENA, LIVANNA GIARCA, ALCHINIATA, VALCHA, VERCELIGA und ALERONE. Hispanisch/ GALLEGUA und TERVA GALLEGUA. Englisch/ Italiun. Firche und Goates Rue. Fläm. und Brab. Gheyte Ruyte und Galeg. Hochteutsch/ Geißraut und Fleckenkraut/ das ist/ PETTICHIARIA oder PESTICHIARIA. diewel es wider die Pestilentzflecken/ dieselben zu vertreiben/ gebraucht wird.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft der Geißrauten.
   Man pfleget gemeiniglich aus dem Geschmack die Natur und Eigenschaft eines jedes Gewächs zu erkennen/ aber an diesem Kraut kan man keinen mercklichen Geschmack empfinden. Dieweil nun die Erfahrung bezeuget/ daß eben dieses Gewächs eine gewaltige Krafft hat wieder alles Gifft/ dasselbige auszutreiben/ so muß folgen/ daß es solches nicht thut aus einer Elementischen Qualität oder Complexion/ sondern aus seiner gantzen Eigenschafft und verborgenen Art/ oder aus seiner gantzen Substantz/ wie es die MEDICI nennen/ A TOTA PROPRIETARE, oder A TOTA SUBSTANTIA.

Innerlicher Gebrauch der Geißrauten.
    Frische Geißrauten gestossen/ und den Safft davon außgepresset/ ist der besten Artzney eine wider das Fräsel oder Gegicht der jungen Kinder/ so man ihnen 1. Löffel voll davon auf einmal eingibt/ dann sie werden alsbald davon erlöset.
    Es ist die Geißrauten auch er besten Artzneyen eine wider alles Gifft/ und sonderlich aber wider die Pestilentz/ dann in Sterbensläufften viel Menschen sind bewahret worden/ die das Kraut in Speiß und Tranck genützet/ die zarten Blättlein mit andern Kräutern im Salat geessen/ oder sonst mit andern Müßlein/ oder bey dem Fleisch und anderer Speiß eingenommen/ und den außgepreßten Safft davon getruncken haben. Und so einen diese Seuche angestossen hätte/ der nehme das Kraut und seude das in Eßig den halben Theil ein/ und nehme der durchgesigenen Brühe 3. Untzen/ zertreib darinn 1. Quintlein guten Andromachischen Theriack/ und ein halbes Quintlein BOLI ARMENI, oder TERRAE SIGILLATAE, wie man die aus der Schlesien bringt/ wann nun solches wol vermischt ist/ soll man es dem inficirten Menschen zu trincken geben/ ihn lassen niederlegen und warm zudecken/ daß er zum wenigsten ein Stund oder drey wol darauff schwitzen möge/ so wird er durch Gottes Hülff erlediget/ dann vielen Menschen darmit geholffen ist worden/ die diese Artzney vor der zwölfften Stund/ nachdem sie von der gemeldten Seuche ergriffen/ gebrauchet und eingenommen haben.
    Oder/ nimm ausgepreßt Geißrautensafft der geläutert ist/ 2. Untzen/ Nägleinblumen- oder Ringelblumen-Eßig/ 1. Untz/ guten Andromachischen alten Theriack/ der Lattwergen vom gülden Eye/ jedes ein halbes Quintlein/ der Schlesischen TERRAE SIGILLATAE, ein Drittheil eines Quintleins/ vermische diese Stück wol durch einander/ und gibs dem Inficirten auf einmal zu trincken/ und lasse ihn darauf schwitzen.
    Geißrautensafft der geläutert ist/ 4. oder 5. Loth mit Wein getruncken/ thut Widerstand allem eingenommenen Gifft/ und treibet dasselbige aus.
Wider die Pestilentzflecken/ dieselben bald heraus zu treiben: Nim Geißrauten/ 2. Handvoll/ Tormentill mit der Wurtzel/ 1. Handvoll/ die müssen alle frisch und grün seyn/ die zerschneide und stosse klein/ giesse darüber 16. Untzen Cardenbenedictenwasser/ darnach seihe es durch ein Tuch und drucks hart aus/ darvon gib dem Krancken alle Morgen und Abend 3. oder 4. Untzen/ mit einem Quintlein Armenischen BOLUS darinn zertrieben/ decke ihn warm zu/ und lasse keinen Lufft zu ihm kommen/ halt ihn stätig warm/ so verlieren sich die Flecken innerhalb zwey Tagen. Wann es aber im Winter wäre/ daß man die Kräuter nicht grün haben könte/ so nimm die Kräuter in obgemeldter Quantität/ die dürr sind/ und thue sie in eine Kante zuvor klein zerschnitten/ schütte darüber 32. Untzen Cardenbenedictenwasser/ verlutier die Kante um den Ranfft wol/ und setze sie in ein Kessel mit siedendem Wasser/ und lasse darinnen zwo Stunden mit stätem Feur sieden/ darnach nimm die heraus/ und seihe den Tranck darvon durch ein Tuch/ gebrauche den obgemeldter massen/ es ist ein gewisse Artzney. Mit dieser Artzney habe ich ANNO 70. auf dem Reichstag zu Speyer vielen Menschen/ die mit diesen Flecken [PETICHIIS] inficirt gewesen/ geholffen/ und sonderlich aber Weiland des Hochwürdigen Fürstens und Herren/ Herrn Marquarden Bischoffen zu Speyers/ rc. Schwester/ weiland des Edlen Jacob Hundten von Saulheims Haußfrauen/ welche eine Kindbetterin war/ welche diese Flecken hatte/ so groß wie halbe Thaler/ und so kranck und schwach war/ daß man sich ihres Lebens gäntzlich verwegen hatte/ die ist diser Flecken entlediget worden/ un wieder zu ihrer vorigen gesundheit komen/ wider alle menschliche hoffnung.
    Geläutert Geißrautensafft/ vier Loth/ mit 2. Loth Cardenbenedictenwasser/ und einem halben Quintlein Armenischen BOLUS, zu einem Träncklein temperiert/ und zween Tage nacheinander des Morgens und Abends/ jedesmal so viel eingenomen/ entledigt den Menschen auch gäntzlich von den obgemeldten Flecken. Einem jungen Menschen unter zwölff Jahren biß auff acht Jahr/ so man soll viel geben/ und einem Kinde unter acht Jahren biß auf vier Jahr/ den dritten Theil/ und denen darunter/ den vierdten Theil.
    So jemand von einer Schlangen oder andern gifftigen Ungezieffer gebissen/ oder gestochen wäre worden/ der trincke des Geißrauten geläuterten Saffts/ 4. oder 5. Loth/ mit gutem alten Wein/ er genieset/ dann diese Artzney das Gifft nicht lässet zum Hertzen steigen.
    Geißrautensafft 3. Untzen getruncken/ treibet aus dem Leibe gewaltiglich die Spülwürm. Einem jungen kind gibt man davon 1. Löffel voll/ so treibt es geschwind alle Würm von ihme. Darzu dient auch das gepülvert Kraut mit Wein getruncken/ von den alten Menschen/ auf die anderthalb oder quintl. oder ein halb Loth/ und von den Kindern/ ein halbs quintl. mit einer Brühen.
    Geißrauten in Wein oder Wasser (je nach Gelegenheit der Kranckheit) den halben Theil eingesotten und davon alle Morgen und Abend/ 4. Untzen getruncken/ ist eine gute Artzney wider die Schlauchwassersucht/ von Kälte verursacht. Dazu dient auch das gestossen Pulver/ jedesmal 1. Quintlein oder anderthalbs/ mit gutem alten wein obgemeldter massen getruncken. Es ist auch den Wassersüchtigen dienlich/ daß sie Geißrauten in ihren Wein legen und stätig davon trincken/ deßgleichen daß sie das Kraut in allen ihren Speisen gebrauchen/ es seye gleich grün oder dürr.
    Die Wurtzel der Geißrauten gestossen/ und den Safft darvon außgedruckt/ fürhet wunderbarlich aus das Geelwasser/ so man dessen 5. oder 6. Loth trincket.
    Der Saamen der Geißrauten fürdert auch wunderbarlich die Fruchtbarkeit der Hüner/ daß sie viel Eyer legen/ wann man ihnen denselben zu essen gibt.

Eusserlicher Gebrauch der Geißrauten.
    Geißrautenkraut gestossen/ und mit Leinöle/ oder aber mit Pfersigkern oder Malleytleinkernenöle in einer Pfannen geröschet/ und den Kindern warm über den Nabel und Bauch gelegt wie ein Pflaster/ das treibet aus dem Leib allerhand Arten der Würme/ ist den Kindern eine sehr gute Artzney/ die andere Ding nicht einnehmen oder geniessen können.
    Oder/ nim Geißrautensafft/ 2. Untzen/ Wermuhtöle/ 3. Untzen/ bitter Mandelöle/ 1. Untze. Stosse die Geißrauten/ und lasse sie mit beyden gemeldten Oelen sieden/ biß die Feuchtigkeit in dem Kraut verzehret ist/ darnach seihe das Oel durch ein Tuch/ und drucke die Geißrauten hart aus/ darnach thue darzu das gepulvert Geißrauten/ Aloepatick/ Myrrhen/ als rein gepülvert/ jedes 1. Untz/ gepülverten Saffran/ 1. Quintlein/ Wachs/ 1. Untz. Zerlaß das Wachs mit dem durchgesigenen Oele/ darnach rühre die Pulver darein/ so wird ein weiches Pflaster daraus/ das streiche auff ein Tuch/ legs darnach über den Nabel und Bauch/ so treibet es allerhand Würm aus dem Leib.
    Geißrauten frisch zerstossen und wie ein Pflaster übergeleget/ heilet allerhand Biß und Stich der Schlangen/ Nattern/ und anderer gifftigen Thier und Ungezieffers. Gleicher Gestalt gebrauchet/ heilet es auch die Carbunckeln oder Zinnblattern.

Geißrauten gedistillirt Wasser.
AQUA RUTAE CAPRARIAE STILLATITIA.

    Die beste Zeit das Geißrautenwasser zu distilliren ist in dem Heumonat/ wann dieses Gewächs in seiner besten Blühet ist/ das Kraut mit den Wurtzeln/ Stengel und Blumen klein gehackt/ und sänfftiglich in BALNEO MARIAE gedistillirt/ folgends zu jeder Maß des abgezogenen Wassers/ 4. Untzen der Geißrautenkraut und Wurtzeln groblechtig gepülvert gethan/ darnach vier und zwantzig Stunde miteinander in einem warmen BALNEO MARIAE beitzen lassen/ folgends zum andernmal säfftiglich abziehen und in der Sonnen lassen seine Zeit rectificiren/ und zum Gebrauch verwahren.

Innerlicher Gebrauch des Geißrauten-Wassers.
    Das Geißrautenwasser ist eine fürtreffenliche gute Artzney/ die Pestilentzflecken zu vertreiben/ beyde in alten und jungen Kindern/ jedesmal des Morgens und Abends/ 5. oder 6. Loth getruncken/ sich zugedeckt und warm im Bethe gehalten/ den Kindern unter 12. Jahren gibt man nur halb so viel/ und den jungen Kindern unter acht Jahren/ 2. Loth/ und auch nur 1. Löffel voll wann sie gar jung sind.
    Es dienet auch das gemeldte Wasser wider die Pestilentz zu einem Praeservatif/ des Morgens nüchtern ein paar Löffel darvon getruncken/ und auch bißweilen den Wein darmit vermischet. So aber einen Menschen die Seuche angestossen hätte/ soll er nehmen des gemeldten gedistillierten Wassers/ 4. Loth/ Geißrauten oder Ringelblumeneßig/ 2. Loth/ guten alten Andromachischen oder Alexandrinischen Theriacks/ 1. Quintlein. Diese Stück soll man durcheinander vermischen zu einem Träncklein/ und dem inficirten Menschen auff einmal zu trincken geben/ und ihn 3. Stunden lassen darauf schwitzen/ das wird alle pestilentzische Vergifftung durch den Schweiß außführen.
    Geißrautenwasser täglich des Morgens und des Abends 5. oder 6. Loth auf jedesmal getruncken/ thut wunderbarliche Hülff in der Wassersucht/ so man das eine Zeitlang nacheinander beharret.

Geißrauten-Eßig.
RUTAE CAPRARIAE ACETUM.

    Aus den abgepflöckten Blumen der Geißrauten/ machet man ein sehr guten Eßig: Man nimt die Blumen und lässet sie vier und zwantzig Stunden auff einem weissen Tuch trucknen und welck werden/ darnach füllet man ein Violglaß darmit/ und schüttet ein guten Weineßig darüber/ stellet darnach das Glaß wol vermacht in die Sonn/ über zween Monat seihet man den Eßig ab/ wirfft die Blumen hinweg/ den Eßig aber haltet man zum Gebrauch.

Innerlicher Gebrauch des Geißrauten-Eßigs.
    Geißrauteneßig wird sonderlich in Sterbensläuffen/ wann der Lufft vergifftet ist/ gebrauchet in den Speisen/ deßgleichen wann hitzige/ brennende und pestilentzische Fieber regieren/ bereitet man alle Speisen damit/ so wol vor die Gesunden sie vor solchen Kranckheiten zu verhüten/ als vor die Krancken der gifftigen Contagion Widerstand zu thun/ und den Durst und brennende Hitz zu löschen und zu mildern/ auch das Herz vor Feuchten und Fäulnuß zu verhüten/ und daß das Gifft das Herzt nicht einnehme zu wehren.
    Dieses Eßigs 3. Untzen/ weniger oder mehr/ nach dem der Mensch jung oder alt ist/ auff einmal getruncken/ tödtet und treibet aus dem Leib die Spülwürm.
    Es ist auch der gemeldte Eßig über die maß nutz und dienstlich den Wassersüchtigen/ wann sie dene in aller ihrer Speiß nutzen und gebrauchen.

Geißrauten Conservenzucker.
RUTAE CAPRARIAE CONSERVA.

    Der Conservenzucker wird aus den Blumen der Geißrauten gemacht/ wie man Rosen und andere Blumen Conservenzucker zu machen pfleget. Der ist ein edel Praeservatif vor der pestilentzischen Contagion den Menschen zu verhüten/ so man des Morgens nüchtern einer kleinen Castanien groß davon einnimmt. Es kan auch solche Artzney den Kindern eingegeben werden/ sintemal sie lieblich und gut zu gebrauchen ist. ES ist auch dieser Conservenzucker den Kindern sehr dienlich/ die mit den Bauchwürmen geplaget werden/ so man ihnen alle Morgen nüchtern/ auff ein halb Loth zu essen gibt.
    Sonst wird auch dieser Zucker mit anderen Hertzstärkenden Artzneyen vermischt/ als mit Lattwergen/ Mixturen und dergleichen/ wie dann das die DOCTORES PRACTICI, zu thun wissen.