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FRAUENMANTEL
Alchemilla - Rosaceae


VON DEM SINNAUW

    Der Sinnau ist auch der rechten und berühmten Wundkräuter eins/ gleich wie der Sanickel/ derowegen wir denselbigen auch von seiner zerschittenen Blätter wegen/ damit unsere Ordnung gehalten werde/ den Sanickeln gleich nachsetzen. Die Wurtzel dieses Krauts ist auswendig schwartz/ Fingers lang/ die wächst überzwerch in der Erden/ ist holtzechtig/ und hat viel Zaseln oder angehenckte Würtzlein/ am Geschmack bitter und rauch/ mit einer Adstriction. Die Blätter sind rund/ zusammen gefalten und gekräuselt/ und geringsherum mit kleinen Kerfflein zerkerfft/ in neun oder zehen spitzer Unterscheid zerspalten wie ein Stern/ oder aufgethaner Löwenfuß/ von Falrben falb oder Schweitzergrün. Die langen und rauhen Stiel/ darauf die Blätter stehen/ ein jedes Blatt auf seinem eigenen Stiel/ kommen im Frühling bald von der Wurtzel herfür/ darneben wachsen auch heraus dünne/ runde Stenglein/ fast anderthalbe Spannen lang/ welche sich oben in etliche Zincklein oder Nebenzweiglein ausspreiten: Zwischen den Gewerblein der gemeldeten Nebenzweiglein/ wachsen nächst den Stenglein viel kleinere/ doch auch runde und zerkerffte Blättlein/ biß oben aussen. Am Gipffel und den Enden derselbigen/ erzeigen sich im Mäyen und Brachmonat/ gantze/ kleine/ drauschelechtige/ grüngeele Blümlein/ denen folget ein kleiner Saamen nach im Heumonat/ dem Magsaamen ähnlich/ ist doch von Farben geelechtig/ in kleinen grünen Böllelein verschlossen. Es wächst gern an graßechtigen Orten in feuchtem Grund/ und in den Wiesen so im Gebirg ligen/ an Haldungen und Rechen. Es wird auch dieser Zeit von wegen seines vielfältigen Gebrauchs in den Gärten gezielet. Es wird eingesamlet im Brachmonat/ wann es in voller Blüth ist.

Von den Namen des Sinnaus.
    Es haben etliche aus dem Sinnau das LEONTOPODIUM DIOSCURIDIS wollen machen/ die andern haben gewolt/ es sey LEONTOPETALUM, und hat es aber einer eben so wol troffen als der ander/ dann der Sinnau weder mit der Krafft und Tugend noch mit deren Descriptionen einen zustimt. Wir wollens wol LEONTOPODIUM HERBARIORUM seyn lassen/ aber nicht DIOSCURIDIS. Was aber LEONTOPODIUM und LEONTEPETALUM DIOSCURIDIS vor Gewächs sind/ werden hernach an ihren Orten beschrieben werden. Wie aber der Sinnan bey den alten Lehrern genannt worden/ oder ob er ihnen auch bekannt gewesen seye/ ist uns noch zu Zeit unwissend. Es wird von VALERIO GORDO PSIADIUM, drosium, DROSERA, und von etlichen HELIODROSIUM, das ist Sonnenthau genant/ sintemal das Kräutlein auch bey dem Sonnenschein/ und zu jederzeit mit schönen hellen Wassertröpfflein gefunden wird/ als wann es darauf gedauet hätte. Von andern wird es geheissen/ LEONTOPODIUM HERBARIORUM, PES LEONIS, PLANTA LEONIS, und BRACHA LEONIS. Vond den MEDICIS und Apotheckern/ STELLARIA, ALCHIMILLA, ACHIMILLA und ARTINCILLA. [alchimilla vulgaris, c. b. pes leonis, brun. (& Leontopodium) fuch. lon. alchimilla, trag. anguil. lac. dod. gal. & fol. ad. lob. icon. & obs. caesal. thal. eyst. vulgaris, clus. hist. cam. stellaria, matth. cast. lugd. stella herba italis quibusdam, ges. hort. drosera, seu drosium, cord. in diosc.] Italiänisch/ PIE DI LEONE. Frantzösisch/ PIED DE LION. Böhmisch/ Husinuzka. Englisch/ Great Sanikel/ und Ladies Mantel. [Lions foote.] Flämmisch und Brabändisch/ Synnauwe und onser Vrouwen Mantel. Hochteutsch/ Sinnau oder Synnau/ Sindaue/ gülden Gänserich/ Lövenfuß/ Löuentappen/ und unser Frauen Mantel.

Von der Natur/ Krafft/ Würckung und Eigenschafft des Sinnaus.
    Sinnau ist einer temperierten Eigenschafft zwischen der Kälte und Wärme/ also daß er nicht zu viel kältet noch zu viel wärmet/ hat darneben eine Krafft zu hefften/ zu consolidiren und zu trucknen/ von wegen seiner Adstrinction: wird derowegen zu den Wunden/ beyde innerlich und äusserlich/ heilsamlich gebraucht.

Innerlicher Gebrauch des Sinnaus.
    Sinnau/ 3. Handvoll/ mit zwey Theil Wassers und einem Teil Weins (daß es zusammen 1. Maß ist) gesotten/ biß der Drittheil verzehret ist/ und 6. Untzen gutes Honigs darzu gethan/ darnach durchgesigen/ und alle Morgen und Abend jedesmal ein gemein Tischbecherlein voll darvon getruncken/ das heilet alle Verwundung und Versehrung der Brust. Gemeldeter Tranck/ heilet auch alle innerliche Versehrung und Brüche.
    Sinnau gestossen und den Safft davon außgedrucket/ und drey Morgen nüchtern nacheinander/ jedes mal 3. Untzen davon getruncken/ dienet wider die Fallende Sucht. Den vierdten Tag darnach soll man dem presthaftigen Menschen eine Ader lassen schlagen auf der lincken Hand/ zwischen dem Zeiger und Daumen/ es hilfft ohne Zweiffel/ aber man muß diese Artzeney gleich Anfangs gebrauchen/ wann die Kranckheit einem Menschen zum ersten ankommt.
    Wider das Bluten der Wunden: Nimm Sinnau/ Sanickel/ Heydnisch Wundkraut/ der langen frischen Regenwürm/ jedes 1. Handvoll. Zerschneid diese Stuck und seud sie in einer Maß Regenwasser den halben Theil ein/ darnach sehe es durch ein Tuch/ und drucke die Kräuter hart aus/ die lege also warm über die Wunden wie ein Pflaster/ und gib dem Verwundten jedertweilen einen Trunck von dem gemeldten Tranck/ das stillet alle blutende Wunden/ und heilet sie.
    Wider das gerunnen Geblüt im Leib: Nimm Sinnau/ Peterleinkraut/ Fenchelkraut/ Salbeyen/ jedes 1. Handvoll/ Ysop/ Alantwurtz/ Aniß/ Fenchelsaamen/ jedes 2. Loth. Seude gemeldte Stuck klein zerschnitten in drey ächtmaß Wassers/ den dritten Theil ein/ seihe es darnach durch ein Tuch/ davon trincke alle Morgen nüchtern 3. Stunden vor dem Essen ein Becher voll warm/ und auch einen des Nachts zwey Stunden vor dem Nachtessen/ oder aber des Nachts/ wann du zu Beth wilt gehen/ das zertheilet alles gerunnen Geblüt/ und führt es aus durch den Harn und Stulgang.
    Sinnau-safft etliche Tage des Morgens/ jedesmal 2. Loth getruncken/ und des Abends auch so viel/ dienet wider den weissen Mutterfluß. Den Safft auch warm mit einer Spritzen zu der Frauen in die Mutter gethan/ hilfft deßgleichen. In Mangel des Saffts soll man 4. Handvoll Sinnaukraut/ in einer Maß Wassers zum halben Theil einsieden lassen/ darnach durchseihen/ und zum wenigsten ein BEcher voll warm/ obgemeldter massen zu der Frauen thun.
    So einem weibe der Halß der Mutter zu schlipfferig/ erlöchert und zu weit offen stünde/ also daß sie nicht empfangen könne/ und der Saamen wider von ihr lieffe/ der soll Sinnaukraut zu Pulver stossen/ und zwantzig Tag lang alle Morgen 1. Löfflein voll desselbigen mit Wein / oder aber mit einer Brühen warm trincken/ das wird sie wieder zu recht bringen.
    Sinnaukraut/ 4. Handvoll/ in ein zinnene Fläsch gethan/ und darüber geschütt 1. Maß Wasser/ Bier/ oder Wein/ je nach Gelegenheit des Verwundten/ darnach beheb zugeschraubet/ und vier Stunden lang in einem Kessel mit siedendem heissen Wasser in stäter Hitz gesotten/ darnach wann der Tranck kalt worden ist/ geöffnet und durchgesigen/ ist ein edler Wundtranck zu gestochenen und geschossenen Wunden/ dann er heilet gewaltig vom Grund heraus/ allen Morgen und Abend 4. Loth getruncken. Ein guter heilsamer Wundtranck zu den geschossenen Wunden/ der den Brand vom Pulver mit löschet/ und die Wunde vom Grund heraus heilet/ auch keine Entzündung dazu schlagen läßt/ den mach also: Nimm Sinnaukraut/ 2. Handvoll/ weissen und rothen Beyfuß/ Gauchheil mit den Blümlein/ jedes anderthalb Handvoll/ Ingrün/ Nagelkraut/ Schadheil/ Güldenruht/ Wintergrün/ jedes 1. Handvoll/ gemein Rohrwurtzel 3. Loth/ Wechholderbeern ein wenig zerquetscht/ 2. Loth/ Schwalbenwurtz/ 1. Loth. Alle Stück soll man klein zerschneiden/ durch einander vermischen/ in ein grosse Kante oder Flsche thun/ darüber schütten 1. Maß Wassers und ein halb Maß Weins/ die Kante verlutieren/ und zum wenigsten vier Stunden in einem Kessel mit Wasser sieden lassen/ darnach zu dem Gebrauch in einem kühlen Ort behalten. Davon gibt man dem Geschossenen Morgens und Abends jedesmal 4. Loth warm zu trincken.

Eusserlicher Gebrauch des Sinnaukrauts.
    Sinnaukraut/ ein Handvoll/ mit 4. Loth Rosenhonig in ein Käntlein gethan/ und darüber geschüttet dritthalb ächtmaß frisch Brunnenwasser/ solches in eine Pfann mit siedendem Wasser gesetzt/ und zum wenigsten ein Stund darein mit stäter Hitz lassen sieden/ darnach durchgesigen/ das ist ein heilsam Wasser zu allen Löchern/ Verwundung und Geschwären des Halß und des Mundts/ damit den Halß zum offtermal gegurgelt/ und den Mund darmit außgespühlet. Es heilet dieses Wasser auch die Mundfäule/ und alle andere Versehrungen und Schäden/ in dem Munde und Halß.
    Vor die langen hangenden Dütten: Nimm Sinnaukraut/ und seude es im Regenwasser zum halben Theil ein/ seihe es dann durch/ und netze ein zweyfach oder vierfach leinen Tuch darinn/ und lege es über die Brüst. Wilt du aber diese Artzney kräfftiger haben/ so nimm Sinnaukraut/ 3. Handvoll/ Schäfftenheu/ anderthalb Handvoll/ rothe Rosen/ ein Handvoll/ des Saffts HIPPOCISTHIDIS, Alaun/ jedes 2. Loth/ Seude solche stück in einer Maß Regenwassers zum halben Theil ein/ seihe es durch. Dieses Wasser lässet auch die Brüst nicht so groß wachsen/ obgemeldeter massen übergeschlagen. Der außgetruckte Safft von dem Sinnau/ hat gleiche Würckung.
    So ein Mensch gebrochen ist/ er sey alt oder jung/ der nehme Sinnaukraut/ und lasse das in genugsamem Wasser das zweyte Theil einsieden/ darnach sehe es durch ein sauber Tuch/ und trinck von diesem Wasser 9. Tage/ und sonst keinen andern Tranck/ er genieset.
    Es wird dieses Kraut von männiglichen sonderlich gelobet/ als ein heilsam Kraut alle Brüch zu heilen/ den jungen Kindern durch Träncke/ baden und äusserliche Auflegung des Krauts sampt der Wurtzel. Es wird auch fast nutzlich gebrauchet/ nicht allein in Träncken/ sondern auch in Pulver/ Pflaster und Salben/ wie der Sanickel und andere Wundkräuter.
    Ein köstliche Wundsalb/ Nimm Sinnaukraut/ Sanickel/ Wintergrün/ jedes 4. Handvoll. Die Kräuter müssen alle grün seyn/ die muß man zerschneiden und klein stossen/ darnach in eine Pfann thun/ und 16. Untzen Baumöle darüber schütten/ und über einem linden Kohlfeurlein sieden lassen/ biß alle Säfftigkeit in den Kräutern verzehret seyn/ dann soll mans durchseihen/ hart auspressen/ und darinn zergehen lassen/ Pinnhartz/ Wachs/ jedes 12. Loth. Wann es nun überschlagen und kalt werden will/ soll man nachfolgende Stück rein gepülvert darzu thun/ als Osterluceywurtzel/ 2. Loth/ Spanischgrün/ 1. Loth. Solches soll man wol durch einander rühren/ biß es kalt wird/ darnach zum Gebrauch verwahren.
    Sinnaukraut ist über die maß nützlich/ zu den hitzigen Wunden/ deßgleichen zu allen hitzigen Geschwulsten dieselbigen zu löschen/ sie seyen gleich zu oder offen/ die Blätter wie ein Pflaster übergelegt.
    Sinnaukraut in Regenwasser gesotten/ und ein Lendenbad daraus gemacht/ vertreibt den Weibern den weissen Mutterfluß/ oder das weiß Gesicht/ so sie etliche Tag nach einander des Morgens und Abends nüchtern darinn baden/ jedesmal ein paar Stunden/ oder so lang sie es Kräfften halben erleiden mögen.
    Sinnau in Wasser gesotten/ und das Wasser durch ein Spritzen warm in die Mutter gethan/ das heilet die Geschwär und alle Versehrung derselben.
    Dieses Kraut in Regenwasser/ oder aber in Löschwasser darinn die Schmiede das glüend Eisen ablöschen/ gesotten/ und mit demselbigen Wasser die heimlichen Oerter der Weiber gewaschen/ bringt es dieselbigen zusammen/ als wann sie Jungfrauen wären.
    Wann eine Frau nach der Geburt den Harn nicht halten kan/ soll sie nehmen Sinnaukraut/ zwey Theil/ Rheinfarn/ Heydnisch Wundkraut/ Beyfuß und weiß Wullkraut/ jedes 1. Theil. Diese Stück in Wasser sieden/ und das Weib dreymal des Tages wol darmit dämpffen/ also daß sie den Dampff durch ein Trächter zu sich empfange: sie soll auch so offt das geschehen/ mit der Brühen der Kräuter das heimlich Ort wol waschen.
    Wann ein Gaul wund wird: So nimm Sinnaukraut und Wurtzel/ 2. Handvoll/ Haselwurtzkraut und Wurtzel/ Beyfuß/ jedes 1. Hand voll. Seude solche Stück in genugsamem Wasser den halben Tehil ein/ seihe es durch/ und wäsch dem Roß die Wunde zum wenigsten viermal im Tag darmit.
    Das faul Fleisch in den Wunden der Roß zu verzehren: Nimm Sinnau/ 3. Loth/ Spangrün/ zwey Loth. Stoß diese Stück zu einem reinen Pulver/ und behalts zum Gebrauch. Wann ein Roß nun wild oder faul Fleisch in den Wunden hat/ so streue diß Pulver darauf.

Sinnau-wasser.
 AQUA ALCHIMILLAE STILLATITIA.

    Die beste Zeit den Sinnau zu distillieren/ ist in dem Brachmonat/ wann er in voller Blüth ist/ das Kraut und Wurtzel mit aller Substantz klein gehackt/ und mit sanfftem Feuer in BALNEO MARIAE gedistilliert/ darnach auf seine Zeit in der Sonnen gerectificieret. So man es aber kräfftiger haben will/ soll man 1. Untz oder 4. des dürren Sinnaukrauts und Wurtzel groblecht stossen/ und zum andernmal distillieren/ so wirds über die maß kräfftig in allen folgenden Gebrechen.

Innerlicher Gebrauch des Sinnau-Wassers.
    Sinnau-wasser des Morgens und Abends/ jedesmal 4. oder 5. Loth getruncken/ ist denen fast dienlich die gebrochen sind/ und ist sonderlich gut den jungen Kindern/ so man denen jederweilen ein paar Löffelein voll darvon zu trincken gibt.
    Es dienet auch dieses Wasser zu aller Versehrung der Brust/ und allen innerlichen Gliedern/ so man dasselbige obgemeldeter massen trincket/ und ist aber solches insonderheit dienstlich in Versehrung der Därm/ sie komme gleich von der Ruhr oder anderswoher.
    Es wird auch gemeldt Wasser an statt eines Wundtrancks gebrauchet/ obegemeldter massen Morgens und Abends getruncken/ un auch den Wein damit gemischt.
    Von diesem Wasser wird ein herrlicher Wundtranck bereitet: Nimm ein Maß gedistilliert Sinnauwasser/ Schadheil/ 1. Handvoll/ Sanickel/ Naterzüngleinkraut/ jedes ein halbe Handvoll. Zerschneide die Kräuter und thu dieselbige in eine Kante oder Fläsch/ und schütte das Wasser darüber/ verlutier darnach die Kante oder Fläsche/ setze die in siedend heiß Wasser/ und lasse sie drey Stunden darinn sieden mit stätem Feuer/ darnach seihe es durch und gib dem Verwundten Morgens und Abends/ jedesmal 2. oder 3. Löffel voll davon zu trincken.
    So du aber zu den geschoßnen Wunden von Büchsen oder Pfeilen/ ein besondern Wundtranck machen wilt: So nimm des gedistillierten Sinnau-wassers 1. Maß/ Beyfuß/ 1. Handvoll/ Nagelkraut/ 1. halbe Handvoll/ gemein Rohrwurtzel / 1. Loth. Zerschneide die Kräuter und Wurtzeln klein/ thue sie in ein Kante oder Fläsche/ schütte das Wasser darüber/ vermach oder verlutier die Kante oder Fläsche wol/ lasse die in einem Kessel mit Wasser sieden/ darnach seihe es durch/ und gib dem Verwundten 3. Löffel voll darvon zu trincken auf einmal.
    So du aber ein Wundtranck zu allen Wunden bereiten wilt durch die Destillation/ den man über Jahr behalten kan/ und denselben allezeit bereit haben/ so mache denselben also: Nimm Sinnau sechs Handvoll/ Berwinck/ Schadheil/ Sanickel/ jedes 2. Handvol/ Brunellenkraut/ blauen Gauchheil/ jedes anderthalb Handvoll/ Tannen- oder Fichten-mispel mit den Blättern/ Eisenkraut/ Pfersingkraut mit dem Flecke/ Schlüsselblumenkraut/ Steingundelreb/ Benignenkrautblätter/ jedes 1. Handvoll/ gülden Widerthod/ wild Angelickkraut/ Scabiosenkraut/ Aepffelbaumblüth/ blaue Gamänderlein/ jedes 1. halbe Handvoll/ Weberkartenwurtzel/ 3. Loth. Alle gemeldte Stück sollen grün seyn und frisch gesamlet/ die soll man klein zerschneiden/ darnach in ein VESICAM thun/ und darüber schütten sechs Maß frisch Brunnenwassers/ und mit sanfftem Feuer zwo Maß darvon distillieren/ gib einem Verwundten davon Morgens und Abends 4. Loth zu trincken/ das heilet eine Wunde vom Grund heraus.

Eusserlicher Gebrauch des Sinnau-Wassers.
    Sinnau-wasser mit leinen Tüchern über die hangenden Brüst gelegt/ machet die hart und steiff/ etliche Tag nach einander beharret.
    Dieses Wasser gleicher Weiß gebrauchet/ löschet die Hitz und Entzündung der Wunden und Geschwär.
    Mit diesem Wasser den Mund zum öfftermal gewäschen/ auch den Halß damit gegurgelt/ heilet die Mundfäulle/ alle Versehrung desselbigen/ deßgleichen auch den verwundten/ versehrten und schwürigen Halß.

Sinnau-wein.
VINUM EX ALCHIMILLA.

    Aus dem aufgetruckneten Sinnaukraut und Wurtzel machet man im Herbst/ wie aus andern Kräutern ein heilsamen Wundwein/ den brauchet man über Jahr an statt eines Wundtrancks/ und lässet auch die Verwundten ihren Tranck damit vermischen.
    Ein anderer guter Sinnau-wein von mehr Stücken/ welcher nützlich allen Verwundten/ an statt eines Wundtrancks mag gebrauchet werden/ wo keine Hitz oder Fieber vorhanden ist/ den machet man also: Nimm aufgetrucknet Sinnaukraut/ 4. Handvoll/ Sanickel/ Bircken-mispel mit den Blättern/ rother Gauchheil/ jedes 2. Handvoll/ Eglentier-Rosenstöckrinden/ Geißfüssel/ Teuffelsabbiß/ jedes anderthalb Handvoll/ geel Weidrichkraut/ die Rinden von der Wurtzel der Eglentier-Rosen/ Weißwurtzblätter/ Wiesenrauten/ Andorn/ jedes ein Handvoll/ groß Klettenwurtzel/ 4. Loth/ Rohrwurtzel/ 3. Loth/ Alle obgemeldte Stück müssen dürr seyn/ die soll man klein zerschneiden/ und mit Espen-spähnen in ein zwölffmäßiges Fäßlein einschlagen/ und darnach ein guten Most darüber verjahren lassen/ folgends über vier oder fünff Monat ablassen/ und den darnach über Jahr gebrauchen.

Sinnau Conservern-zucker.
ALCHIMILLAE CONSERVA.

    Aus dem Sinnau machet man auch einen köstlichen guten Conserven-zucker: Man nimt die abgestreifften Blätter und Blümlein des Sinnaus/ die frisch eingesamlet worden ist/ wieget darvon 4. Untzen mehr oder weniger/ zerschneidt die auf das allerkleinste auf einem saubern Brett/ mit einem dazu bereiten Schneidmesser. Darnach stösset man die wol in einem steinern Mörser/ und thut darzu guten fein Zucker/ 12. Untzen/ vermischt es und stösset es wol durch einander/ biß daß es wird ein Lattwerg/ alsdann thut man es in ein Zuckerglas oder Porcellanbüchs/ und stellet es auf ein Monat in die Sonn/ darnach behölt man es über Jahr zu dem Gebrauch. Dieser Zucker ist eine edle Artzney/ den Weibern/ so mit dem weissen Mutterfluß beladen seyn/ alle Morgen und Abend einer Castanien groß darvon geessen. Er dienet auch zu den verwundten und versehrten Därmen/ von der Ruhr und anderswoher verursachet.