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ERDRAUCH
Fumaria - Papaveraceae


VON DEM TAUBENKROPFF UND SEINEN GESCHLECHTEN

    Dess Taubenkropffs oder Erdtrauchs/ wie es von etlichen genannt wird/ haben wir viel Geschlecht/ die doch unsern MEDICIS, Kreutlern und Apoteckern nicht alle bekannt sindt/ deren wir sieben Geschlecht hie in diesem Capitel beschreiben wöllen/ unnd die andern in dem nachfolgenden auch anzeigen.
    l. Das erste Geschlecht dess gemeinen Taubenkropffs/ hat eine dünne/ spitzige/ einzige und lange Wurtzel/ mit vielen Zaseln/ von welcher gleich im anfang dess Aprillen seine Blätlein sich erzeigen/ die vergleichen sich dem Coriander/ seyndt doch Eschenfarb/ zarter und weycher. Der Stengel wirdt einer halben Elen lang mit vielen Nebenästlein/ die sind wie der Stengel viereckechtig/ an deren Gipffeln kommen herfür in dem Meyen die schönen Blümlein hart zusammen getrungen/ wie die Träublein/ oder die Blumen dess Hartriegels/ die seyndt schön Purpurbraun/ und sehr lustig anzusehen. Nach der blüht besamet es sich rundt oder scheubelecht/ wie der gemeine Coriander. Dieses Kraut ist am Geschmack bitter/ unnd wann es beschnitten wirdt/ so treufft es unnd weinet wie die beschnittene Weinreben im Mertzen. Es wächst allenthalben gern in Weingärten/ Zwibel und Cappesgärten/ Gerstenfeldern/ hinder den Zäunen/ Flachssfeldern/ und gebawenen Orten. Derwegen es gemein/ unnd jedermenniglich bekannt ist/ dann wo es einmal eynwurtzelt/ lässet es sich nicht wider ausstilgen.
    ll. Das zweyte Geschlecht ist dem jetztgemelden mit Wurtzeln/ Kraut/ und aller seiner gestalt durchauss gleich/ allein dass die getrungene schöne Blümlein Schneeweiss sind/ wie die andern Purpurbraun gesehen werden. Es wird aber diese Art dess Erdtrauchs sehr selten gefunden.
    lll. Das dritte Geschlecht ist kleiner und zärter dann die beyde gemeldte/ die Wurtzel ist klein/ die Stengel werden spannenlang/ viereckechtig/ strack/ und nicht gebogen wie dess andern. Die Blätlein sind zärter/ kleiner und tieffer zerschnitten/ schier wie der Fenchel oder Dyllen/ die Blümlein sind getrungen wie ein Träublein/ an der Farb weiss/ mit Purpurfarb vermischet. Diss Kreutlein ist am Geschmack bitter wie der gemeine Erdtrauch. Jn Teutschlandt so viel mir bewust/ wächst es nicht vor sich selbst/ sondern muss in den Gärten gezielet werden/ unnd wächst sehr gern und bald vom Samen/ unnd wo es einmal hingesäet wird/ kompt es jährlich von sich selbst wider im Früling herfür/ unnd besamet sich selbst. Es blühet im Meyen. Jn der Provintz Franckreich/ Languedock und Mompelier/ wächst es von sich selbst/ sonderlich aber in Kisechtigen und Sandechtigen Orten.
    lV. Das vierdte Geschlecht hat ein langes dünnes Würtzlein/ länger dann der gemein Erdtrauch/ mit wenig Zäselein: Der Stengel ist zärter unnd länger/ hat viel Nebenästlein/ die haben oben an den Enden wie auch die Stengel neben herausser/ kleine Gäbelein/ wie die Zaunrüben/ damit sie sich an die Nebengewächs anhencken: Die Blätlein seynd langlecht und breit/ gar nicht zerkerfft oder zerschnitten/ wie die andern Geschlecht. Jm Meyen bringt es an den Enden der Stengel und Nebenästlein herfür schöne weisslechte Blümlein/ mit Liechtroter Farben vermischt/ die seynd an der Gestalt der Blümlein dess gemeinen Erdtrauchs fast gleich/ doch seynd deren nicht so viel/ sondern etwann vier oder fünff neben einander. Das gantze Kraut ist weisslecht oder Eschenfarb/ wie das erst geschlecht/ und hat auch ein gleichen Geschmack. Es wirdt auch nicht allenthalben in Teutschland von sich selbst wachsend gefunden/ aber im Land zu Gülch/ und sonderlich im Herzogthumb Bergen/ wie auch in Zytphen und Niderland/ wächst es in den Häcken/ hinder den Zäunen/ und an den Rechen der Feldern.
    V. Das fünffte Geschlecht/ ist dem nechstgeschriebenen/ mit Wurtzel/ Stengel/ Gäbelein/ Blettern und Blumen/ allerdings gleich/ allein dass er höher/ die Bletter noch so gross als dasselbig/ und auch die Blumen grösser werden: Sonst hat es auch einen gleichen Geschmack. Diss hab ich in Flandern zwischen Gend und Bruck/ bey Knesslar gefunden/ und wächst in gleichen Orten/ wie das jetztgemelte.
    Vl. Das sechste Geschlecht/ ist bey uns in Teutschland auch ein frembd Gewächs/ unnd ist erstlich zu uns auss Windisch Land gebracht worden/ wiewol man es auch seythero in Italien/ und in der Provintz Franckreich/ von sich selbst wachsend funden hat. Dieses Gewächss hat viel Wurtzeln/ die sich breyt in der Erden von einander thun unnd ausspreiten/ die seynd klein/ lang und weisslecht/ an der Gestalt der Christwurtz nicht ungleich/ darauss wachsen sieben oder acht dünner zarter Stengel eines Schuchs/ oder anderthalben Spannenlang/ die haben viel Bletter/ die vergleichen sich den Blettern dess Hanensporns oder Holwurtzel/ seynd aber kleiner/ von Farben Graw oder Eschenfarb. Jm Hew und Augstmonat bringet es oben an den Stengeln viel schöner geeler Blümlein/ an der Gestalt den Blümlein der Holwurtzel gleich/ aber kleiner. Wann die Blümlein vergehen/ so folgen hernach kleine langlechtige Schötlein/ darinn ist der schwartzglantzend runde Samen/ der dem Samen der Holwurtzel auch gleich ist. Bey uns muss man diss gewächss in Gärten zielen/ in Windischland aber/ wie auch in Italia und in der Provintz Franckreich unnd Apulien/ wächst es von sich selbst auff den Bergen und Hübeln.
    Vll. Das siebende Geschlecht ist dem jetztgemelten in allen dingen gleich/ aussgenommen/ dass die Blümlein weiss/ wie sie an dem andern geel seynd. Solches aber ist seltzam/ und wird selten gefunden. Es hat mir ein Kreutler oder Wurtzelgräber dieses Gewächss mit geelen und weissen Blumen/ auss Apulia mit andern Gewächsen gebracht/ der sagt mir/ dass ers auff dess heiligen Berg GARGANO gesamlet hette/ aber under tausend Kreutlein fünde man kaum eins/ das weisse Blumen hett.

Von dem Namen der Erdrauchkreuter
    Der Taubenkropff wird von den Lateinischen und Kreutlern genandt/ CAPNUS, CAPNUM, CAPNIUM, CORYDALIUM, CAPNITES, MARMARITES, CAPNOGORGIUM, oder wie etlich EXEMPLARIA DIOSCORIDIS haben/ CAPNOGORIUM, CHALCOCHRUM, CANTHARIS, FUMARIA, FUMUS TERRAE, HERBA FUMIDA, CEREFOLIUM FELINUM, und CEREFOLIUM COLUMBINUM. Hochteutsch/ Erdtrauch/ Taubenkropff/ Taubenkörbel/ Katzenkörbel/ Runnenkraut unnd Feldtkraut.
    ll. Das ander Geschlecht dess Taubenkropffs/ wird FUMARIA ALBA, das ist/ weisser Taubenkropff genant.
    lll. Das klein Geschlecht und dritt/ dieweil es kleiner unnd subtiler ist als die andern alle/ wird es FUMARIA MINOR, und FUMARIA TENUIFOLIA genant. Teutsch/ kleiner Erdrauch oder Taubenkropff.
    lV. Das vierde Geschlecht wird FUMARIA LATIFOLIA MINOR, FUMARIA CLAUICULIS DONATA, und zu Teutsch kleiner breyter Erdrauch geheissen/ dieweil seine Blätlein nicht zerschnitten seynd.
    V. Das fünffte Hgeschlecht/ wird FUMARIA LATIFOLIA MAIOR genant/ Jch nenne es FUMARIA FLANDRICAM, dieweil ichs allein in Flandern gefunden habe. Teutsch/ grosser breyter Erdrauch und Flehmischer Erdrauch.
    Vl. Das sechste Geschlecht/ dieweil es erstlich zu uns auss Windisch Land gebracht worden ist/ wird es FUMARIA ILLYRICA, FUMARIA LUTEA, von wegen der geelen Blumen/ und FUMARIA MONTANA genant. Teutsch/ geeler Erdrauch/ Berg Erdrauch/ und Wendischer Erdrauch.

Von der Krafft und Wirckung der Erdrauch Kreuter
    Alle beschriebene Geschlechter dess Erdtrauchs/ seynd am Geschmack scharpff und bitter/ warmer qualitet im ersten/ unnd truckener im andern Grad/ mit einer milten Astriction/ dardurch die Eyngeweid gestärcket werden: Haben derwegen ein Krafft zu zertheilen/ dünn zu machen/ durchzutringen/ zu eröffnen und zu stärcken/ werden jnnerhalb und ausserhalb dess Leibs nützlich gebraucht/ dann sie ohn allen Schaden zu gebrauchen seynd/ darmit sie aber desto besser jhre Wirckung vollbringen möchten/ haben die Alten sie geschärpfft/ und mit Molcken oder Kässwasser eingeben/ und haben Senatbletter/ Myrrobalanen und Rhebarbara darzu gebrauchet/ dessgleichen Honig und frische Feygen oder Meerträublein. Der Safft aber wird in Krafft und Wirckung dem Wermuthwasser verglichen/ den pflegt man in einem Violglass/ frisch Baumölen darüber gegossen/ zu dem Gebrauch der Artzeney/ uber Jahr zu behalten.

Jnnerlicher Gebrauch dess Erdrauchs
    Der hochberümbte Arabisch Artzet/ IOHANNES MESUE DAMASCENUS, spricht: Dass der Erdrauch ein gebenedeyte hochgelobte Artzeney seye/ Sintemal aber solches nützliches Kreutlein zu viel gemein/ seye es dardurch in verachtung kommen. Aber verständige Artzet werden sich das nicht jrren lassen/ Sintemal dieses unachtsam Gewächs von Gott dem Allmächtigen/ mit vielen unzahlbaren Tugenden begabet ist/ die nicht allein von den Alten/ sondern auch durch die Nachkommen zu unser Zeit/ warhafftig befunden worden seynd.
    Taubenkropff hat sonderliche Krafft/ unnd Eygenschafft/ dass er gar sänfftiglich die Gallen/ und alle versaltzene und verbrande Feuchten aussführet/ auff alle Manier gebraucht. Sein Krafft erstreckt sich auch biss in das Geäder/ dann er reiniget das grob/ dick/ unrein/ Melancholisch und verbrande Geblüt. Derowegen er in unser Zeit/ von allen berühmten Ärtzten/ vor allen andern Kreutern/ in Franzosen oder Bocken/ Muselsucht/ Maltzen/ Zitterschen/ oder Flechten/ Krebs/ Fistulen/ Schorbock/ Grind/ Raude/ Schebigkeit/ unnd aller anderer Verunreinigung dess Geblüts unnd der Haut/ heylsamlich unnd nützlich/ jnnerlich unnd eusserlich gebrauchet wird.
    Taubenkropff uber Nacht in Kässwasser oder frischem Molcken erbeytzet/ oder aber darinn erwallet/ und dess Morgens früe nüchtern getruncken/ treibet viel ubriger Gallen oder Cholerischer Feuchten auss dem Leib/ beyde durch den Harn unnd Stulgang/ und reiniget das Geblüt. Dessgleichen thut auch und wircket kräfftiger/ so man in Molcken erwallen lasset/ und nimbt der durchgesigenen Brühen vier Untz/ frisch Mandelöl/ oder aber frischen ungesaltzenen Buttern ii.Loth/ und trinckt dz dess Morgens nüchtern/ od ein paar Stund vor dem Nachtessen/ das erweichet den Bauch sänfftiglich/ und macht wol zu Stul gehen/ und mag solche Artzeney zu jederzeit ohn einigen Schaden gebraucht werden.
    Andere nemmen der gemelten Kochung von Taubenkropff/ neun oder zehen Loth. Ausserlesener Senatbletter drey quintlein oder ein Loth/ guter Rhebarbar & klein zerschnitten/ ein quintlein oder anderthalbs/ Zimmatrinden/ groblecht zerstossen/ ein drittheil eines quintleins/ weissen Jngber klein zerschnitten ein halbs quintlein. Diese Stück alle thut man in ein Känntlein/ und geust das Molcken siedend heiss darüber/ lasset es verdeckt uber Nacht an einem warmen Ort stehen/ dess Morgens lasset mans siedend heiss wwerden/ und truckts darnach hart auss durch ein Tüchlein/ darinn zertreibt man zwey Loth purgierenden Rosen Syrup/ oder purgierenden Violen Syrup/ oder so viel Manna/ welches man jederzeit haben kann/ und trincket es dess Morgens vier Stunden vor dem Essen. Dieses Träncklein purgirt wol/ und doch sanfft/ führet auss Gallen und Schleim/ und reiniget das unsauber Geblüt/ führet auss die Geelsucht/ durch den Stulgang und Harn.
    Etliche sieden Taubenkropff in Geissmilch/ das Geblüt zu reinigen/ und trincken darvon den gantzen Meyen/ alle Morgen zum wenigsten ein paar Stund vor dem Morgenessen ein Becher voll warm/ unnd dess Abends ein paar Stund vor dem Nacht Jmbiss ein Becher voll kül/ und ist gewiss ein nützliche Artzeney/ vor die/ so ein grob unrein Geblüt haben/ und stätig mit Grind und Krätz geplaget werden.
    Erdtrauchsafft durch den gantzen Meyen aussen/ alle Morgen zwey Loth/ mit vier Untz frisch Molcken getruncken/ unnd drey Stunden darauff gefastet/ dienet sehr wol denen/ die mit dem Aussatz behafft seynd: Und ist denen sonderlich gut/ die sich vor dem Aussatz fürchten/ dann es verhütet denselbigen/ und lesset das Geblüt zu keiner Fäulnuss gerathen/ dann es führet diese Artzeney auss alle versaltzene/ auffgetrucknete oder verdorrte Melancholische/ verbrande feuchte/ und lesset keine mehr wachsen.
    Ein ander Artzeney/ den Aussatz zu verhüten: Nimb Taubenkropff/ Vehdisteln/ oder Mariendisteln/ Nesselnbletter/ jedes ein gut theil/ Thu diese Stück in ein Glass oder steinen Krug/ klein zerschnitten/ schütte darüber ein guten starcken fürnen Wein/ lass an einem warmen Ort ein Monatlang mit einander erbeitzen/ darnach distillirs mit sanfftem Feuwer/ IN BALNEO MARIAE, und behalt es zum gebrauch/ in einem wol vermachten Glass/ und thu in ein Mass dieses Wassers i.quintlein geschlagen fein Goldbletter/ unnd brauch darvon alle Morgen nüchtern ii.Löffel voll.
    Erdrauchsafft dreymal in der Wochen/ jedesmal zwey oder drey Loth/ dess Morgens nüchtern eyngenommen/ und ein gantz Jahr also beharzet/ mindert den Aussatz/ und verhindert den Neuwen/ so nicht eingewurtzelt.
    Erdrauchsafft iii. oder iiii.Loth getruncken/ zertheilt und führet auss das gerunnen Blut in dem Leib.
    Erdtrauch Safft ist ein gebenedeyte Artzeney denen Menschen/ so mit den Bocken oder Frantzosen beladen seynd/ so sie dessen ein Monat oder vierzig Tag alle Morgen unnd Abend vier Loth/ jedesmal drey Stunden vor den beyden Jmbsen trincken. Mit dieser Artzeney ist einem Goldschmid/ so mit dieser Kranckheit inficirt/ geholffen worden/ dessgleichen auch einem Schreiber.
    Der Erdtrauch ist auch ein bewehrte Artzeney/ alle Verstopffung zu eröffnen: Dienet wol dem Magen/ Lebern/ und allem Eyngeweide/ dann er dieselbigen stärcket/ unnd ist ein sonderliche Hülff in den cholerischen Febern/ unnd denen/ so von Verstopffung verursacht werden: Darzu ist auch der Safft fast dienlich/ auff folgende Weiss gebrauchet: Nimm ein gut Theil dess aussgepresten Saffts von Erdtrauch/ darinn lass kleine Corinthträublein/ oder aber Meerträublein von den Kernen gereiniget/ vier Tag lang erbeytzen/ darnach distillirs mit einander IN BALNEO MARIAE. Von diesem Wasser gib dem Krancken dess Morgens unnd Abends vier Loth/ zwo Stunden vor dem Essen/ jedesmal mit einem Trunck frischen Molcken vermischt/ zu trincken/ und beharz solches ein zeitlang.
    Dess aussgepresten Saffts drey oder vier Loth getruncken/ tödtet die Spülwürme/ und sonst allerhand Würme/ und führet sie auss.
    Der Safft wird denen nützlich eingeben/ bey welchen sich uberflüssige Melancholische Feuchten in dem Magenmund gesamlet hat/ darvon sie stätig zu Unwillen unnd Erbrechen geneigt seynd/ denen gibt man auff einmal vier oder fünff Loth mit Zucker süss gemacht/ darmit sie es desto besser einbringen mögen: Unnd soll diese Artzeney dess Morgens unnd Abends eyngenommen werden: So man es aber gebrauchen will/ ist es rathsam/ dass man allwegen ein wenig Fenchelsamen oder Mastix darmit vermische/ die Bläst zu zertheilen/ darmit diese Artzeney nicht Auffblehung und Krimmen dess Bauchs erwecke.
    Erdrauch ist auch ein köstliche Artzney/ wider die Verstopffung der Leber unnd die Geelsucht. Dann dess aussgetruckten Saffts drey Loth/ mit so viel Hirtzungen Wassers/ und ein wenig Zuckers vermischt und getruncken/ löset auff gewaltig die Verstopffung der Leber und dess Miltzes/ treibet auss die Geelsucht/ durch den Dtulgang und Harn. Oder Erdrauch allein in Wasser gesotten/ durchgesigen und getruncken/ ist auch gut vor arme Leuthe.
    Ein anderer Tranck vor die Geelsucht: Nimm Erdrauch anderthalb Handvoll/ Bergwermuth ein Handvoll: Seude diese Stück mit einander in einer vMass Geissmilch den drittentheil eyn/ darnach seihe es durch ein Tuch/ unnd gib dem Geelsüchtigen alle Morgen und Abend vier Untz darvon zu trincken/ mit dem Syrup von den zweyen Wurtzeln/ auss der Apotecken vermischet.
    Wider die Wassersucht ein fast nützlich Tranck: Man nimpt dess Saffts zwey Loth. Bereyter Wolffsmilch Wurtzel gepülvert ein quintlein/ Holderblüthwasser vier Loth: Solches vermischet man durch einander/ und gibt es dem Wassersüchtigen dess Morgens nüchtern/ fünff Stunden vor dem Essen warm zu trincken.
    Welche ein rauhe krätzige Haut haben/ die machen folgende Artzeney/ und trinckens Morgens und Abends ein Monat lang/ sie gewinnen ein glatte Haut/ unnd werden der Krätz ledig. Nimm erdrauch Safft ein Loth. Meth oder Honig Wasser zwey Loth. Vermischs und trinck den ersten Tag Morgens und Abends/ jedesmal so viel/ dess Morgens warm/ unnd dess Abends kühle. Den zweyten Tag nimb dess Saffts anderthalb Loth/ unnd dess Meths dritthalb Loth/ vermischs und trincks Morgens und Abends. Den dritten Tag nimb dess Safft zwey Loth/ unnd dess Meths drey Loth. Den vierden Tag nimb dess Saffts dritthalb Loth/ und dess Meths vierdhalb Loth. Den fünfften Tag nimb dess Saffts drey Loth/ und dess Meths vier Loth. Den sechsten Tag nimm dess Saffts vierdhalb Loth/ und dess Meths fünffthalb Loth. Den siebenden Tag nimb dess Saffts vier Loth/ und dess Meths fünff Loth. Solches trinck täglich zweymal/ darnach bleibe bey dem letzten Gewicht/ biss von Anfang drey Wochen herumb seynd: Die vierde Woch steig allweg darnach mit einem halben Loth ab/ biss dass du wider kompst auff ein Loth dess Saffts/ und zwey Loth dess Meths/ darbey bleibe dann/ biss du dreyssig Tag erfüllet hast. Diese Artzeney reiniget das unsauber/ dick/ verbrand/ Melancholisch Geblüth dermassen/ dass sich zu verwundern/ führet darneben auss die Gall/ alle Cholerische und faule verlegene Feuchten/ und verhütet vor vielen schädlichen Kranckheiten: Es sollte ein jeder/ der sein Gesundheit lieb hette/ jhme diese Artzeney/ als einen thewren Schatz lassen befohlen seyn.
    Weil auch der Erdtrauch Safft uber Jahr zu gebrauchen/ nutz und heylsam ist/ und man aber denselben nicht durch das gantze Jahr haben kann/ soll man denselben auff folgende weiss samlen/ uber Jahr zu behalten. Man nimpt dess frischen grünen Erdtrauchs so viel man vermeynt genug zu haben/ stösset den in einem Steininen Mörser/ unnd truckt den Safft auss durch ein Kälterlein/ oder sonst bequeme Jnstrument: Darnach lasset man den Safft uber einem Kolfewerlein auffsieden/ unnd wann er erkaltet/ und die Heffen sich zu Grund gesetzt/ seihet man es durch ein Tüchlein oben ab/ thut den in ein Violglass/ Geust oben Baumöle darauff: und stellt das Glass wol vermacht in die Sonn/ darnach hebt mans auff zu dem Gebrauch.
    Was von dem Taubenkropff bissher beschrieben/ soll von allen Geschlechten/ wie die erzehlet seyn/ verstanden werden/ aussgenommen was den geelen oder windischen Erdtrauch belangen thut/ wird seine besondere Wirckung/ neben dem es dieselbigen mit den andern Geschlechten gemein hat/ auch besonder beschrieben werden.

Eusserlicher Gebrauch dess Erdtrauchs
    Der Safft dess Taubenkropffs ist etwas räss und scharpff/ derwegen schärpfft er das Gesicht/ unnd macht klare Augen.
    Derselbig Safft mit Gummi vermischt und angestrichen/ wehret dass die aussgerupffte Härlein der Augbrawen nicht widerumb wachsen.
    Vor den Grind der jungen Kinder: Nimb Taubenkropff zwo Handvoll/ Pappellenkraut/ Speltzenkleyen/ jedes ein Handvoll/ seud diese Stück in Bachwasser/ und mach ein Bad darvon: Bad das Kind alle Tag anderthalb stund/ und brauch es drey Tag/ darnach mach wider ein frisches/ und beharz es also neun Tag nach einander: Jst es nicht genug/ so mach das vierde Bad auch.
    Den Safft von Erdrauch angestrichen/ heylet allen Grind dess gantzen Leibs/ unnd soll man aber das dess Tages dreymal thun/ und ein Tag etlich beharzen.
    Ein gute Grindsalb von Taubenkropff: Nimb dess aussgepresten frischen Saffts von Taubenkropff/ Baumnussöle/ jedes ein Pfund/ dess allerschärpffsten Weinessigs acht Loth. Lass diese Stück sittiglich mit einander uber einem gelinden Kolfeuwerlein sieden/ biss der Safft unnd Essig sich verzehret haben/ welches du also probiren kanst/ wann du ein wenig darvon mit einem Köffelein oder Spathel in das Feuwer schüttest/ dass es nicht mehr kischt/ so ist es genug gesotten/ darnach seye es durch/ und zerlass x.Loth Wachs darinn/ unnd rühr es/ biss es kalt wird.
    Ein ander: Nimb dess aussgetruckten Saffts von Taubenkropff/ acht Loth/ Essig zwey Loth/ Milchraum zwey Loth/ Baumnussöle vier Loth/ gepülverten Caminruss zwey Loth/ Diese Stück temperir wol durch einander in einem Mörser/ dass ein Salb werde/ darmit streich die grindig Haut an in einem Bade.
    Etliche nemmen Taubenkropffsafft und Leinöle/ jedes gleich viel/ thun darzu ein wenig Essigs/ und klopffens wol durch einander/ und schmieren die grindige Haut wol darmit in einem Bad/ das hilfft auch wol.
    Ein gut Grindbad von Taubenkropff: Nimb Taubenkropff zwey theil/ Pappellenkraut/ Mertzviolenkraut/ Menwenwurtzel und Kraut/ Gerstenkleyen/ Katzenmüntz oder Neptenkraut jedes ein theil. Solche Stück soll man in Wasser sieden/ und ein Bad darauss machen/ dess Tags zweymal darinn baden/ dess Morgens nüchtern zwo Stunde/ und nach Mittag/ nach vollbrachter Däuwung/ anderthalb Stunde.
    Taubenkropff Safft mit dem Safft von Menwenwurtzel vermischt unnd gesotten/ biss sie dick werden wie ein Honig/ und darnach dess sauwren Essigs Syrups/ OXYMELLIS SIMPLICIS, ein wenig darmit vermischet/ heylet ein jede Muselsucht/ wie IOHANNES VIGONIUS der berühmbte CHIRURGUS das bezeuget.
    Taubenkropff ii.Handvoll/ mit einer Handvoll roher Gersten/ in einer Mass Wassers den halben theil eingesotten/ und die Blatern unnd Riffen der Franzosen Kranckheit offtermals darmit warm gewäschen/ heylet dieselben.
    Taubenkropff in Wein gesotten/ und Pflastersweiss ubergelegt/ miltert den Schmertzen dess Podagrams und der Gliedsucht.
    Taubenkropff in Wasser gesotten/ und mit der durchgesigenen Brühen den Mund wol aussgespület/ unnd die Biller und Zahnfleisch darmit gewäschen: heylet die Mundfäule und alle Versehrung dess Munds/ leget die Geschwulst dess Halss/ der Biller und Zahnfleisches.

Taubenkropff oder Erdrauchwasser
AQUA FUMARIAE STILLATITIA

    Von dem Edlen Kreutlein Taubenkropff/ wird ein fast nützlich Wasser gedistillirt/ das gemelte Kreutlein mit seinen Blumen im Meyen klein zerhackt/ in ein Cucurbit gethan/ unnd sänfftiglich IN BALNEO MARIAE abgezogen/ volgends vierzig Tag in der Sonnen rectificirt/ und zum Gebrauch verwahret. Dieses Wasser ist uber die mass nütz unnd heylsam zu mancherley Gebresten jnnerlich und eusserlich gebraucht.

Jnnerlicher Gebrauch dess Erdrauchs Wassers
    Taubenkropffwasser täglich Morgens unnd Abends getruncken/ jedesmal auff iiii. oder v.Loth/ ist fast heylsam und gut/ für alle unreinigung dess Geblüts/ dann es reiniget dasselbig/ vertreibt die Fäulnuss jnnerhalb im Leib/ und nimbt hin allen bösen Grind/ Schebigkeit/ Krätz/ beissen der Haut/ Flechten und Mägerey. Jst ein sehr nützlich Wasser denen/ so zu der Malazey/ Franzosen/ Muselsucht/ und dergleichen bösen verunreinigung der Haut geneigt seynd.
    Die jenigen so mit dem bösen/ gifftigen/ bissigen Grindt behafft seynd/ unnd sich vor dem Aussatz fürchten/ die sollen alle Monat auff einmal ein quintlein dess besten Andromachischen Theriack/ mit vier oder fünff Loth Taubenkropffwassers zertrieben/ trincken/ und wol darauff schwitzen. Darneben sollen sie im Frühling unnd Herbst/ jedesmal zum wenigsten drey Wochen lang/ alle Morgen und Abend/ jedesmal vier Loth Taubenkropffwasser/ mit zwey Loth Hopffenwasser vermischt/ allwegen ein paar stunden vor den beyden Jmbsen trincken/ unnd sollen sich in der Zeit zweymal mit den Pilulen von Taubenkropff purgiren/ solches wird sie vor dem Aussatz verwaren.
    Taubenkropffwasser iiii. oder v.Loth mit einem halben Loth AUREAE ALEXANDRINAE, oder aber einem quintlein guten Theriack durch einander vermischt/ getruncken und wol darauff geschwitzt/ bekompt in gemein wol allen Febern/ unnd machet dass sie bald nachlassen. Man soll aber diese Artzeney alle acht Tag einmal gebrauchen/ und hilfft sie sonderlich bald/ wann der gantze Leib zuvor durch eine Purgation wol gereiniget ist.
    Taubenkropffwasser Morgens unnd Abends jedesmal iiii. oder v.Loth getruncken/ öffnet die verstopffung der Leber/ treibt auss die Geelsucht durch den Harn/ macht wol harnen/ unnd vertreibt die Harnwinde.
    So ein Mensch mit der Pestilentz inficirt were/ und jhnen angestossen hette/ der nemme iiii. oder v.Loth Erdrauchwasser/ und zertreib darinn ein quintlein guten Andromachischen Theriack/ und ein quintlein Armenischen Bolus/ oder so viel von der rechten TERRA SIGILLATA, oder aber deren/ so man auss der Schlesien bringt/ und trinckt das warm/ und schwitz wol auff die drey Stunden/ es hilfft wol/ und ist ein bewerts Träncklein/ und wircket auch besser/ so man ein Loth Essigs zu den obgemelten Stücken thut.

Taubenkropffwassers eusserlicher gebrauch
    Taubenkropffwasser in die Nasslöcher eingesupt/ reiniget das Hirn vom Schleim/ und ist denen ein gute Artzeney/ die den Geruch verloren haben/ dann es bringt jhn wider.
    Taubenkropffwasser in die Augen gethan/ macht sie hell und klar/ und vertreibt die Röte derselben.
    Das Angesicht mit gewäschen/ unnd von jhm selbst lassen trucken werden/ vertreibt die schebigkeit desselben/ und heylet die Schiepen. Dessgleichen vertreibt es auch die Schebigkeit der Augbrauwen.
    Gleicher gestalt gebraucht/ unnd dess Abends Tüchlein darinn genetzt und ubergelegt/ vertreibt das rot auffziehig scheutzlich Angesicht.
    Den Mund mit Taubenkropffwasser zum offtermal aussgespület und gewäschen/ auch den Halss darmit gegurgelt/ heylet die Geschwär und alle versehrung dess Munds/ der Biller/ dess Zahnfleisches und Halss.

Taubenkropffwein
CAPNITES, oder VINUM EX FUMARIA

    Aller mass und gestalt/ wie von dem Wermuthwein gesagt ist/ also wird auch ein fast nützlicher Wein vom Taubenkropff bereitet/ dem Magen/ Leber/ und Miltz uber die mass heylsam/ dieselbigen zu stärcken: Jtem den Harn zu treiben/ und dz Geblüt zu reinigen: Und ist solcher Wein ein nützlicher gemeiner Speisstranck in der Frantzosen Chur/ der Muselsucht/ und auch denen/ so mit bösen gifftigen offenen Schäden/ Fistel/ Krebs/ und Zitterschen oder Flechten/ und dergleichenunartigen Schäden unnd Geschwer behafftet seynd. Dieser Wein/ wiewol er nicht sonderlich im Brauch bey jederman ist/ mag allerdings wie von wermuth und andern Kreuterweinen gesagt ist/ bereitet werden.

Auffgetruckneter Taubenkropffsafft
FUMARIAE SUCCUS EXICCATUS

    Es wird der auffgetrucknet Safft dess Taubenkropffs oder Erdrauchs/ fast nützlich in allen wolgerüsten Apotecken uber Jahr behalten/ also dass du nemmest das Kraut/ wann er in seiner vollkommenen Blüth ist/ denselbigen stosset/ und den Safft darauss truckest/ den in einer Blasen zu trücknen in die Sonn henckest/ wie die Mahler jhren Safftgrün zu bereiten pflegen.

    Oder nimb dess Erdtrauchs mit seinen Blumen auff die dreyssig Händvoll/ weniger oder mehr/ nach deinem gefallen/ zerschneid denselben gar klein/ unnd seude den in genugsamem Wasser zum halben theil eyn/ darnach trucks hart oder press auss mit einem Kelterlein/ seihe es durch ein Tuch/ und lass darnach sittiglich uber einem linden Kolfewrlein sieden/ biss es dick wird wie ein Honig/ und hebs darnach auff zu dem gebrauch. Du magst auch diesen Safft von dürrem Kraut bereiten/ wie oben von dem Wermuthsafft gelehrt worden ist. Diesen Safft braucht man zu mancherley vermischungen/ in Pillulen/ Latwergen/ und andere Artzeneyen/ zu oben erzehlten Kranckheiten.

Extract von Taubenkropff
FUMARIAE EXTRACTUM

    Auss dem Taubenkropff/ wird auch ein fast heylsams Extract aussgezogen/ zu allen Kranckheiten dienlich/ darzu der Taubenkropff an jhm selbst gut ist. Und wird aber dieses Extract gemacht/ wie der Extract von Wermuth und andern Kreutern/ ist derowegen unvonnöten/ hie an diesem Ort weiter darvon zu schreiben/ und ist auch solch Extract viel dienstlicher mit anderen Artzeneyen zu vermischen/ dann der auffgetrucknet oder aussgezogen Safft.

Conservenzucker von Taubenkropff
FUMARIAE CONSERVA

    Den Conservenzucker von dem Taubenkropff mach also: Nimb im Meyen der Blümlein dieses Krauts auff ein Pfund/ zerschneids klein auff einem Eychenbrett/ darnach stoss sie wol in einem steinenen Mörser/ nimb darzu dreymal so viel Zucker/ unnd stoss so lang durch einander/ biss sich der Zucker wol mit vermischt hat/ und es einer Latwergen gleich ist/ Darnach thu jhn in ein Zuckerglass oder Porcellan Büchs/ unnd stell den ein zeitlang in die Sonn. Dieser Zucker dienet denen/ so ein böss und unrein/ verbrand/ Melancholisch Geblüt haben/ dann er reiniget dasselbig/ unnd ist nützlich und heylsam in der Frantzosen Kranckheit/ dessgleichen denen die mit bösem Grind/ Flechten und Jucken der Haut beladen seynd. Er bewaret den Menschen vor dem vergifften Pestillenzischen Lufft. Er treibt den Schweiss/ einer Castanien gross eingenommen/ so man ins Bad will gehen/ und treibt also alle schädliche Feuchten auss dem Leib. Er eröffnet die Verstopffung der Leber und aller jnnerlicher Glieder/ und ist nütz und gut im anfang der Wassersucht. Treibt auss die Geelsucht durch den Harn/ und wird zu vielen anderen Kranckheiten mit andern Artzneyen vermischt/ heylsamlich gebraucht.

Einfachter Syrup von Erdrauch
SYRUPUS DE FUMARIA SIMPLEX

    Jn allen wolgerüsten Apotecken/ wird ein nützlicherSyrup/ auss dem Safft dess Taubenkropffs gemacht/ den nennet man SYRUPIM DE FUMARIAM SIMPLICEM, zum underscheid dess vermischten/ den man von mehr Stücken macht/ unnd wird also gemacht: Nimb dess aussgepresten purificirten Safftss von Erdrauch/ dess Saffts von den jungen Hopffen/ jedes ein Pfund/ guten fein Zucker oder Canarien Zucker ein Pfund/ seude diese stück uber einem linden Feuwer zu einem Syrup/ den läuter mit einem weissen von einem frischen Eye/ und wann er zu bequemer dicke gesotten ist/ so seihe jhnen durch ein wüllin Tuch/ und behalt jhn zum gebrauch.
    Dieser Syrup stärcket den Magen/ eröffnet die Verstopffung der Leber und aller jnnerlicher Glieder/ reiniget das dick unrein und unsauber Geblüt/ allerdings wie von dem Kraut und Safft gesagt ist.

Vermischter Syrup von Erdrauch
SYRUPUS DE FUMARIA COMPOSITUS

    Es ist auch der vermischt Syrup von Erdrauch/ in allen Apotecken sehr im Gebrauch/ dann er mehr gebreuchlicher ist/ dann der jetztgemelt/ und wird SYRUPUS DE FUMARIA COMPOSITUS genant. Weil aber dieser Syrup schwerer unnd mit grösserm Kosten gemacht wird/ wöllen wir nur seine Krafft und Tugend beschreiben/ und die Description underlassen/ sintemal man den in allen wolgerüsten Apotecken bereitet find.
    Dieser Syrup eröffnet die Verstopffung der Leber und dess Miltzes/ stärcket alle jnnerliche Glieder/ sonderlich aber den Magen unnd die Leber. Er führet auss die geel Gallen und Schleim/ dessgleichen die trucknen/ verbranden und versaltzene Feuchten/ ist sehr dienlich denen/ so mit dem viertägigen Feber beladen seynd. Er reiniget das grob/ unsauber/ verbrand/ Melancholisch Geblüt/ reiniget die Haut von aller Unreinigkeit von obgemelten schädlichen Feuchten verursacht/ als von allem Grind/ Rauten/ Schebigkeit/ Zittermahlen/ oder Flechten/ Maltzey/ Musselsucht/ und der abscheulichen Kranckheit der Frantzosen. Es dienet auch zu der Cur der alten/ faulen/ bösen gifftigen Schäden/ als Krebs/ Fistel/ Schorbock und andere dergleichen Schäden/ die von bösem/ faulem/ dickem Melancholischem Geblüt/ und versaltzenem/ verbranden Feuchten jhren Ursprung haben.

Aussgezogener Syrup von Erdrauch
SYRUPUS EXTRACTIONIS FUMARIAE

    Es wird von dem erdtrauch ein fast nützlicher aussgezogener Syrup gemacht/ wie auss dem Wermuth unnd Beyfuss/ der dienet wider alle Gebrechen und Kranckheiten/ zu denen das Kraut oder safft dess Erdrauchs gebraucht wird/ wie die oben hiebevor erzehlet seynd/ und ob wohl diese weiss die Syrupen zu bereiten/ unsern Medicis und Apoteckern biss daher noch unbekand seynd/ und aber viel mehr mit diesen aussgezogenen Syrupen in geringer quantitet mag aussgericht werden/ dann mit einer grossen der gemeinen Syrupen/ so ist es rathsam/ dass diese auch in Brauch gebracht werden.

Erdrauchsaltz
SAL FUMARIAE

    Auss dem Erdrauch kann man auch wie auss andern Kräutern ein nützlich Saltz bereiten/ das dienet sonderlich wider die Pestilentz/ ein Scrupel mit Wein eingetruncken und darauff geschwitzt/ sonst dient es wol wider die Frantzosen Kranckheit/ unnd alle Gebresten dess Grinds/ als Malatzey und Muselsucht/ die von bösem unreinen Geblüt jhren Ursprung her haben/ Dessgleichen auch zu allen gifftigen alten Schäden/ mit Pilulen und andern Artzeneyen vermischt/ welches wir den erfahrnen Aertzten befehlen. Dieses Saltz wird bereit wie das Wermuthsaltz.

Erdtrauchblumenöle
FUMARIAE FLORUM OLEUM

    Auss den schönen Blümlein dess Erdtrauchs wird auch ein heylsam Oele bereitet: Man füllet ein Violglass mit den frischen Blümlein dess Erdtrauchs die ein Nacht auff einem leinen Tuch gespreyt/ von aller frembden Feucht getrucknet/ und ein wenig welck worden seynd/ unnd schüttet darnach ein gut frisch Baumölen darüber/ vermacht das Glass zu/ unnd stelts vierzehen Tag in die Sonn: Darnach lässet mans in einem doppelen Geschirr auff ein viertheil Stund sieden/ und seihet es durch zum Gebrauch: Etliche die es gern kräfftiger zu haben begeren/ füllen wider frische Blümlein in das Glass/ und schütten dz vorige Oel widerumb daruber/ stellens wider in die Sonn wie zuvor/ darnach sieden sie es allererst ab und behaltens zum Gebrauch. Dieses ist ein heylsame Artzeney den Kindern und zarten Menschen/ die mit dem Grind/ Schebigkeit unnd Jucken der Haut beladen seynd/ den gantzen Leib nach dem Bad darmit gesalbet/ das heylet den Grindt/ vertreibet das jucken unnd beissen/ und macht ein schöne glatte Haut.

Gedistillirt Erdtrauchöle
OLEUM FUMARIAE STILLATITIUM

    Auss dem Taubenkropff wird auch ein nützlich Oele von dem dürren Kraut und Blümlein/ durch die Destillation künstlich aussgezogen/ wie man das Oele auss dem Wermuth und andern Kreutern ausszuziehen pfleget. Das dienet jnnerlich zu allen Kranckheiten/ darzu der Erdtrauch unnd das Extract darvon gebraucht werden: Wird heylsamlich mit Pillulen/ Latwergen und artzeneyen vermischt: wie solches erfahrne Aertzte wol zu vermischen wissen. Eusserlich wird es mit Salben und andern Oelen zu erzehlten Gebresten der Haut nützlich vermischt und gebraucht.

Pillulen von Taubenkropff
PILULAE DE FUMARIA SEU DE FUMOTERRAE

    Es werden in allen wolgerüsten Apotecken nützliche unnd fast gebräuchliche PILULAE von dem Taubenkropff bereitet/ damit zu purgiren/ alle schädliche und uberflüssige böse Feucht der Gallen/ und andere scharpffe/ versaltzene Materi/ darvon böser Grind/ Räud/ Schebigkeit/ Muselsucht/ Maltzey/ böse Flechten/ Schorbock und die Frantzosen/ und dergleichen verunreinigung der Haut entspringt. Es werden auch fast nützlich in dem viertägigen Feber gebraucht. Dieweil diese Pillulen in allen rechtschaffenen Apotecken bereit gefunden werden/ haben wir jhre Beschreibung hie anzuzeigen uberflüssig geachtet. Von diesem gibt man i.quintlein biss in anderthalb quintlein auff einmal eyn/ mit dem Taubenkropff Syrup.

Jnnerlicher Gebrauch dess geelen oder Windischen Taubenkropffs
    Der Windisch oder geel Taubenkropff in der Speiss oder Tranck genützt/ oder aber sonst auff alle weg gebraucht/ ist ein gebenedeyte Artzney vor den Schmertzen und Krimmen im Leib. Wie dann auch gepülvert und eines goldgülten schwer mit Wein getruncken.
    Andere Krafft und Tugend hat es mit den oben erzehlten Geschlechten gemein: unnd mag derowegen zu denselbigen Kranckheiten jnnerlich und eusserlich gebraucht werden.